Datenschutz als Chance für eine vertrauensvolle Shop-Shopper-Beziehung


Sabine Heukrodt-Bauer, Fachanwältin für IT-Recht und gewerblichen Rechtsschutz

Datenschutz spielt in Deutschland eine wichtige Rolle: Die Mehrheit der Deutschen ist besorgt, dass ihre persönlichen Online-Daten im Internet nicht sicher sind (Statista 2016). Für Online­händler stellt Datenschutz häufig eine unliebsame Aufgabe dar, die vor allem Zeit und Nerven kostet.

Doch Datenschutz ist ein Thema, das für Unternehmen auch nützlich sein kann – nämlich als Chance für eine vertrauensvolle Kundenbeziehung und für einen besseren Service. Natürlich müssen Shopbetreiber hierbei einige Regeln beachten. Die wichtigsten Pflichten ergeben sich aus dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und dem Telemediengesetz (TMG): Webseitenbesucher informieren, Zweckbindungsgrundsatz beachten, Einwilligung des Nutzers einholen.

Sabine Heukrodt-Bauer, Fachanwältin für IT-Recht und gewerblichen Rechtsschutz bei RESMEDIA – Kanzlei für IT-IP-Medien und Expertin im Partnernetzwerk United E-Commerce erklärt, wie die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen das Vertrauen der Kunden in einen Onlineshop stärken.

Gesetzliche Pflichten beachten

Shopbetreiber haben zunächst die Pflicht, die Nutzer zu informieren, wie sie welche Daten er­heben und zu welchem Zweck. Zusätzlich müssen Onlinehändler den Käufer darüber aufklä­ren, welche Widerspruchsmöglichkeiten sowie Auskunfts-, Berichtigungs-, Sperrungs- und Lö­schungsrechte er als Nutzer hat und wer für die Speicherung seiner Daten verantwortlich ist.

All diese Aspekte sollten in einer Datenschutzerklärung auf der Shop-Website enthalten sein. Hinzu kommt, dass jedwede Datenerhebung dem Zweckbindungsgrundsatz unterliegt: Daten dürfen nur erhoben und verarbeitet werden, wenn das Gesetz oder die Einwilligung des Kunden dies ausdrücklich gestatten.

Die Zweckbindung heißt aber auch, dass die erhobenen Daten nur für diesen einen Zweck genutzt werden dürfen, über den zum Zeitpunkt der Einwilligung informiert wurde. Für eine erweiterte Datennutzung, also für weitere Zwecke, ist stets eine erneute Einwilligung der betroffenen Person erforderlich.

Grundsätzlich benötigt ein Onlinehändler, der die Daten seiner Kunden erfassen möchte, deren Einwilligung vor der ersten Erhebung. Allerdings gibt es gemäß Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) Ausnahmen: Ist die Verarbeitung notwendig für die Vertragserfüllung – beispielsweise die Weitergabe der Adresse an den Lieferanten, damit dieser die Ware zustellen kann –, dann ist die Einwilligung nach § 28 Abs. 1 Nr. 1 BDSG entbehrlich.

Die Vorteile von Datenschutz erkennen und nutzen

Zwar stellen Datenschutzvorschriften für viele Onlinehändler bzw. Shopbetreiber eine Herausforderung dar, doch deren Einhaltung kann für den Shop auch von Vorteil sein und dann zu echten Wettbewerbsvorteilen führen.

Ein Beispiel: Da immer mehr Verbraucher großen Wert auf den Schutz ihrer Daten legen, stellt häufig schon der „Standort Europa“ ein ausschlaggebendes Verkaufsargument dar. Durch die strengen Datenschutzbestimmungen in Europa sind Verbraucher davon überzeugt, dass ihre Daten auf europäischen Servern sicher sind. Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen bevorzugen daher auch immer mehr Shopbetreiber Dienstleister aus Deutschland.

Transparenz und Struktur für mehr Datenqualität

Eine transparente Informationspolitik stärkt das Vertrauen der Onlineshopper: Verbraucher sind trotz aller Skepsis gerne bereit, persönliche Daten herzugeben, wenn sie davon einen Nutzen haben. Wissen Kunden, wofür ihre Daten benötigt werden, dann geben sie diese auch freiwillig und vor allem korrekt heraus.

Um eine derartige Transparenz zu schaffen und allen rechtlichen Datenschutzvorgaben zu entsprechen, sind jedoch oft Veränderungen nötig: Mitarbeiter müssen sensibilisiert, vorhandene Daten neu strukturiert sowie bestehende Verträge mit Partnern überprüft und überarbeitet werden. Bei dieser Gelegenheit lassen sich auch gleich veraltete Strukturen direkt identifizieren und überarbeiten. Auch festgefahrene Prozesse im Kundenservice können aufgelockert und wieder auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden.

Im Endeffekt verhindern die Datenschutzbestimmungen sogar, dass sich sogenannte „tote Daten“ ansammeln. Wird beispielsweise bei einer Newsletter-Anmeldung das Double-Opt-in-Verfahren verwendet – das heißt, der Kunde muss sein Abonnement nochmals über einen Link, den er per E-Mail erhält, bestätigen – kann die Echtheit des Nutzers sichergestellt werden: Es landen keine ungültigen E-Mail-Adressen im Datenpool, sondern nur solche, die der Kunde tatsächlich und aktiv verwendet.

Checkliste: Rechtssicherer Datenschutz im E-Commerce

  • Platzieren Sie die Datenschutzinformation auf der Shop-Website als eigene Unterseite „Datenschutz“ – und nicht innerhalb des Impressums. (à13 Abs. 1 TMG)
  • Holen Sie sich immer die Einwilligung des Kunden, wenn Sie dessen Daten zu Werbezwecken (z. B. Gewinnspiele, Newsletter, Werbemails usw.) nutzen möchten. (à 12 TMG)
  • Schließen Sie unbedingt einen schriftlichen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag ab, wenn Sie Kundendaten auslagern bzw. diese in Ihrem Auftrag von Dritten verarbeitet werden. (à 11 BDSG)
  • Wenn Sie Kundendaten im Ausland verarbeiten lassen, dann setzen Sie nur auf Anbieter mit Serverstandorten innerhalb der Europäischen Union oder in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums. (à Safe-Harbor-Urteil des EuGH)
  • Bestellen Sie – falls erforderlich – einen Datenschutzbeauftragen. (à 4 f BDSG)

Der Artikel und die Checkliste sind ein Auszug aus dem E-Book „Customer Obsession – Der Kunde im Zentrum des Onlinehandels“, das unter http://www.united-ecommerce.de/ebooks?res=1 zum kostenfreien Download bereitsteht.

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Bildquellen

  • sabine_heukrodt-bauer: RESMEDIA – Kanzlei für IT-IP-Medien
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