Get Bing-Ready: Für Microsofts Suchmaschine optimieren


Get Bing-Ready

In den letzten Wochen und Monaten ging es in der Presse mit Bing rauf und runter: Häufig gab es Positivmeldungen über die in Deutschland und in den USA erzielte Reichweite. Egal, welchen Zahlen man hier vertraut, muss man aber doch anerkennen: Deutschland ist Google-Land und Bing ist hier noch weit davon entfernt, auf dem Schirm vieler Website-Betreiber zu erscheinen.

Dennoch sollte man einen Blick auf Bing werfen – vor allem, da sich ja abzeichnet, dass die Yahoo-Suche im nächsten Jahr durch die Bing-Suchmaschine beliefert wird. Nun kann man argumentieren, dass auch Yahoo in Deutschland nicht unbedingt durch eine gewaltige Reichweite von sich reden macht, aber derlei Sachen können sich ja auch ändern.

Es gibt übrigens auch eine interessante Studie zur öffentlichen Wahrnehmung von Bing: Die Performance-Marketing-Agentur eprofessional hatte die Agentur Liquid Campaign beauftragt, ein Meinungsbild über Bing im Internet zu erstellen. Dazu wurden im September 2009 über 3.000 Artikel zum Thema auf über 1.000 Social-Media-Quellen, von Basicthinking.de bis Twitter, ausgewertet. Das zentrale Ergebnis des sogenannten Opinion Minings: Die Qualität der Suchergebnisse bei Bing ist noch verbesserungswürdig, das Design und die Bilder/Video-Suche sind aber besser als bei Google.

Das Ergebnis dieser Studie darf man nicht überbewerten, weil hier oft ein Effekt auftritt, der so eigentlich nicht stimmt: Häufig werden die Google-Ergebnisse als gefühlt richtige Suchergebnisse gesehen. Wenn Bing nun andere Suchergebnisse anzeigt, schlussfolgern viele, dass Bings Algorithmen noch nicht passen. Dabei ist gerade die Andersartigkeit eine Chance.

Bing: Nur so halb

Wer einen Blick auf Bing Deutschland wirft, muss vor allem wissen, dass er derzeit nur einen Teil dessen sieht, was amerikanische Suchmaschinennutzer sehen. Bing verfügt über durchaus viele interessante Konzepte, z.B. die so genannten „Categorized Results“: Wer in den USA z.B. nach „seattle“ sucht, erhält nicht nur Suchergebnisse für diese Suchanfrage, sondern auch Blöcke von Suchergebnissen für populäre Anfragen wie „seattle weather“, „seattle airport“ oder „seattle hotels“.

Bei Bing Deutschland sieht man von derlei Features allerdings noch nichts. So existiert bei Bing Deutschland zwar schon ein Link zu Bing Maps (das Pendant zu Google Maps), aber derzeit ist hier keine Anmeldung möglich und die lokalen Ergebnisse werden auch bei lokalen Suchanfragen nicht unter die Suchergebnisse gemischt.

Bing hat auch einen interessanten PDF-Leitfaden bereitgestellt, der u.a. diese Features beschreibt und Website-Betreibern einige Tipps gibt, die allerdings sehr oberflächlich sind und keine konkreten Tipps für bessere Rankings geben.

Microsoft selber hat nach wie vor noch keinen Starttermin für das „richtige“ Bing – und anscheinend ist es auch so, dass Microsoft sich gar nicht sicher ist, ob diese Features überhaupt kommen werden. Über seine PR-Agentur antwortete Microsoft wie folgt:

„Im Vordergrund steht für uns eine lokalisierte, an die Bedürfnisse der deutschen Nutzer angepasste Lösung. Wir evaluieren daher, ob die US-Themen und Suchfunktionen auch in Deutschland den Nutzer bewegen, oder welche anderen Inhalte wir stärker in den Fokus nehmen müssen. Damit stellen wir sicher, dass sich das Angebot für die lokalen Verbraucher im Vergleich zu den anderen lokalen Wettbewerbern im Bereich Suche klar differenziert. Wir wollen einen echten Mehrwert im Bereich Entscheidungsfindung bieten. Bis wir diese Meilensteine erreicht haben, bleibt das Produkt in der Betaversion verfügbar. Darüber hinaus können wir derzeit keine weiteren Informationen bereitstellen.“

Auch wenn Bing insgesamt einen sehr guten Eindruck macht, bekommt man hier schon den Eindruck, dass Microsoft trotz massiver Investitionen in die Suchmaschinen mit dem Innovationstempo von Google nicht mithalten kann. Dabei wäre ein starker Konkurrent sicherlich gut für den Markt.

Probieren geht über studieren

Um einige Thesen hinsichtlich der Bing-Algorithmen zu überprüfen, haben wir mehrere Tests gemacht. Für die folgenden Tests wurden jeweils tausend unterschiedliche Ein- und Zwei-Wort-Suchanfragen an Google und Bing geschickt. Ausgewertet wurde die erste Suchergebnisseite mit jeweils zehn organischen Suchergebnissen. Dabei wurden nur die „normalen“ organischen Suchergebnisse beachtet, nicht jedoch solche, die Universal Search zuzurechnen sind (Produktsuche, News, …).

Unterschiedliche Ergebnisse

Zunächst ist deutlich, dass sich die Suchergebnisse bei Google und Bing sehr stark unterscheiden. Die folgende Statistik zeigt, wie viele Suchergebnisse sich überschneiden. Eine Überschneidung ist dabei so definiert, dass es in den beiden Suchergebnislisten jeweils ein Ergebnis derselben Domain gibt. Wenn also domain.de bei Google auf dem ersten Platz und bei Bing auf dem zehnten Platz zu finden ist, wurde das als Übereinstimmung gewertet:

Übereinstimmung Domains

Ein-Wort-Suchanfragen 2,70/10

Zwei-Wort-Suchanfragen 1,85/10

Wie man sieht, ist die Überschneidung nicht sehr hoch. Bei Zwei-Wort-Suchanfragen ist es so, dass im Durchschnitt nicht einmal zwei von zehn Suchergebnissen auf Domain-Ebene identisch sind. Bei Ein-Wort-Suchanfragen ist es etwas besser, aber insgesamt sieht man schon, dass Google und Bing sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Es stellt sich also die Frage, welche Ranking-Faktoren Google und Bing nutzen und wie sie diese unterschiedlich gewichten. Und vor allem stellt sich natürlich die Frage, wie man seine eigene Website auf beide Suchmaschinen gleichermaßen ausrichten kann.

Interessanterweise gibt es – anders als bei Google – nur sehr wenige gute Informationen über die Ranking-Mechanismen bei Bing. Das mag am niedrigen Marktanteil und damit an der geringen Reichweite liegen. Vor allem sind viele SEOs mit Google „groß geworden“ und kennen die Google-Algorithmen schon seit langer Zeit. Diese Erfahrung liegt bei Bing einfach nicht vor.

In den wenigen Analysen, die es gibt, wird sehr oft auf zwei Faktoren hingewiesen: keywordlastige Domains und das Domain-Alter. Um das zu überprüfen, haben wir die Suchergebnisse auch auf diese Aspekte hin untersucht:

Faktor: Keywordlastige Domains

Für die folgende Analyse wurde überprüft, ob mindestens eines der Wörter der Suchanfrage im Domain-Namen eines Suchergebnisses vorkommt. Wie man sieht, gibt es hier sehr große Unterschiede zwischen Ein- und Zwei-Wort-Suchanfragen:

BingGoogle
Ein-Wort-Suchanfragen 6,32/10 3,19/10 
Zwei-Wort-Suchanfragen 1,71/10 1,18/10 

Bei den Ein-Wort-Suchanfragen sieht man klare Unterschiede zwischen Bing und Google: Bing präferiert klar Domains, in denen der angefragte Suchbegriff vorkommt. Wer also für ein bestimmtes Keyword bei Bing nach oben kommen möchte, profitiert eindeutig davon, wenn er eine Keyword-Domain hat (www.keyword.de oder www.keyword-noch-was.de).

Bei Zwei-Wort-Suchanfragen erkennt man, dass dieser Faktor deutlich unwichtiger ist. Hier scheint es zwar für Bing immer noch etwas wichtiger als für Google zu sein, aber die Relevanz ist doch insgesamt recht niedrig.

Faktor: Domain-Alter

Auch hört man oft, dass Bing ein sehr großes Gewicht auf das Alter einer Domain legt. Um das zu überprüfen, wurde jeweils das Alter des ersten Suchergebnisses abgefragt, um daraus die folgenden Durchschnittswerte zu bilden:

BingGoogle
Ein-Wort-Suchanfragen 122,03 Monate 119,63 Monate 
Zwei-Wort-Suchanfragen 94,11 Monate 92,41 Monate 

Man kann hier zweierlei sehen: Der Faktor ist eigentlich für beide Suchmaschinen – bis auf minimale Unterschiede – gleich wichtig. Vor allem sieht man, dass das Alter der Domain vor allem bei Ein-Wort-Suchanfragen wichtig ist. Bei Zwei-Wort-Suchanfragen sind die Ansprüche beider Suchmaschinen schon deutlich niedriger.

Andere Faktoren

Sobald man sich von diesen leicht zu überprüfenden Faktoren entfernt, kommen eher gefühlte Faktoren ins Spiel. Das Folgende zeigt also nur einige Beispielanfragen und deren mögliche Erklärung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

Eine interessante Suchanfrage, um die Unterschiede zwischen beiden Suchmaschinen zu sehen, ist „wilson golfschläger“ (Wilson ist ein Hersteller von Golfschlägern). Ende November 2009 war die Website www.wilson-golfschlaeger.com bei Bing auf der ersten Seite (Position 7) zu finden, während Google dieser erst auf der zweiten Suchergebnisseite (Platz 20) auflistet.

Für Bing scheint hier wichtig zu sein, dass die Website hinsichtlich der On-Page-Optimierung und des Domain-Namens sehr gut passt. Google hingegen zeigt deutlich mehr Preisvergleiche (idealo.de, ciao.de, shopping.com, …) an, die zwar hier nicht ähnlich passend sind, aber durch ihre Autorität und ihre extrem gute Verlinkung punkten können.

Ebenfalls kann man sich Suchanfragen wie „fertighaus villa“ anschauen. Hier sieht man, dass Bing z.B. die Website www.villa-scandic.de auf der Position 10 anzeigt, während Google diese Website nicht einmal in den Top 100 erwähnt. In den Google-Ergebnissen erscheinen hingegen Portale wie www.bauen.com und www.hausbautipps24.de – Websites, bei denen „fertighaus“ oder „villa“ nur ein Thema unter vielen ist, aber die eben sehr gut verlinkt sind und das Vertrauen von Google genießen.

Insgesamt scheint es also so, dass Bing auch bevorzugt Websites anzeigt, die thematisch passend sind, ohne ähnlich extrem wie Google auf die externe Verlinkung und die Autorität der Domain zu achten. Hier liegt natürlich ein hohes Potenzial für Website-Betreiber und SEOs: Prinzipiell scheint es bei Bing eher möglich, eine thematische Nische zu besetzen und das Feld nicht den großen Portalen und Preisvergleichen zu überlassen.

Wer selber ein Gefühl für die Bing-Algorithmen bekommen möchte, muss sich die Bing-Suchergebnisse für viele Phrasen einfach mal im Vergleich anschauen.

Webmaster Tools

Bing bietet übrigens ebenso wie Google mit den Google Webmaster Tools eine Schnittstelle für Website-Betreiber: die Bing Webmaster Tools . Die Informationen, die einem nach der Validierung der eigenen Website angeboten werden, sind leider nicht so umfangreich wie beim Google-Pendant.

Einige interessante Aspekte findet man aber hier, z.B. die so genannten „Crawl Issues“. Hier klärt Bing auf, welche Probleme der Suchmaschinen-Crawler auf der eigenen Website gefunden hat, z.B. in den Kategorien „Long Dynamic URL“ (dynamische URL mit zu vielen Parametern) oder „Malware infected“ (auf einer Seite wurde Malware gefunden).

Auch können über die Bing Webmaster Tools Sitemaps angemeldet werden. Bing verweist mehrfach darauf, dass Sitemaps wichtig sind, so dass man hier durchaus eine Sitemap eintragen sollte. Alternativ kann man diese aber auch über eine URL an Bing übertragen.

Fazit

Wer Bing mit „Bing is not Google“ übersetzt, hat Recht: Die Such-Algorithmen scheinen anders zu funktionieren als bei Google, so dass auch die Suchergebnisse zum Teil deutlich anders sind. Bing ist aber auf jeden Fall einen Blick wert – vor allem, weil der Marktanteil durch die Partnerschaft mit Yahoo zukünftig steigen könnte.

Bildquellen

  • search-xs: http://photodune.net/user/Zffoto
Previous Wie lesen wir online?
Next HTML 5 und die Zukunft des Web

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

achtzehn − 5 =