Grundlagen der Usability Analyse 2 & Fazit


Grundlagen der Analyse

Usability Analyse – Heuristische Evaluation

Etwas wissenschaftlicher ist die so genannte Heuristische Evaluation. Hierbei begutachten meist mehrere Experten die Anwendung und notieren alle potenziellen Usability-Probleme. Grundlage dafür sind Heuristiken – Regeln, die Experten für Sites mit guter Usability aufgestellt haben, die z.B. als Checkliste vorliegen. Schließlich besprechen die Experten gemeinsam ihre Ergebnisse und erstellen den Bericht.

Nach dem Usability-Experten Jakob Nielsen finden drei bis fünf Experten in einer Heuristischen Evaluation drei Viertel aller Usability-Probleme einer Site. Deshalb ist sie eine häufig eingesetzte, vergleichsweise schnelle und kostengünstige Technik.

Cognitive Walkthrough

Bei dieser Technik versetzen sich die Experten in die Rolle der Benutzer und spielen verschiedene Aufgaben mit der Anwendung Schritt für Schritt durch. Dabei identifizieren sie die Stellen, von denen sie meinen, dass die Benutzer dort Probleme hätten.

Virtueller Rundgang/Walkthrough

Hierbei zeigen Sie mehreren Testpersonen gleichzeitig eine Seite der Anwendung und lassen sie jeweils still notieren, was sie auf dieser vermuten bzw. was sie dort tun/anklicken würden. So lassen sich in kurzer Zeit mehrere Personen befragen. Allerdings wird bei dieser Methode nur herausgefunden, was die Benutzer tun würden, nicht aber, was sie tatsächlich tun.

Evaluation/Benutzerbefragung

Bei der so genannten Evaluation oder Benutzerbefragung werden die Benutzer, nachdem sie mit der Anwendung gearbeitet haben, interviewt, oder es wird ihnen ein Fragebogen vorgelegt.

Probleme:

  • Befragungen nach der Arbeit mit der Anwendung können keine Usability-Tests ersetzen, bei denen ein Betreuer neben der Versuchsperson sitzt. Er kann nach Dingen fragen, die der Testperson selbst gar nicht bewusst sind und auch Mimik und Gestik beobachten.
  • Viele kleinere Probleme vergisst man schnell wieder – sie tauchen so nicht auf dem Fragebogen auf.
  • Jeder fühlt sozialen Druck. Die meisten Menschen füllen Fragebögen tendenziell zu positiv aus. Sie glauben, dass sich die Auftraggeber freuen, wenn das Testergebnis positiv ist. In anderen Situationen werden negative Bewertungen abgegeben, weil man meint, „Fehler“ finden zu müssen, oder weil man sich als besonders kritisch darstellen will. Das alles passiert meist unbewusst. Daher sollten solche Interviews oder Fragebögen von erfahrenen Psychologen durchgeführt bzw. entworfen werden.

Vorteile

  • Es lassen sich schnell die Meinungen vieler Nutzer einholen und einfach auswerten (Fragebögen können online ausgefüllt werden).
  • Dinge können erfasst werden, die durch bloße Beobachtung kaum herauszufinden sind (wie Zufriedenheit der Benutzer, Vergleich mit anderen Anwendungen/Websites, Bild der Benutzer von der Marke/Anwendung/Website).

Es gibt eine Reihe von Fragebögen, die bei Usability-Untersuchungen eingesetzt werden (z.B. SMEQ (Subjective Mental Effort Questionnaire), QUIS (Questionnaire for User Interaction Satisfaction), AttrakDiff). Ihr Vorteil ist, dass sie von Experten entwickelt und ausführlich getestet wurden. Die Formulierungen stehen fest und sind dadurch so objektiv wie möglich. Die Ergebnisse sind untereinander und auch längerfristig vergleichbar.

Um verwertbare Ergebnisse zu erhalten, muss man berücksichtigen, dass je kleiner die erwarteten Effekte bzw. Unterschiede sind, desto mehr Testpersonen befragt werden müssen.

Mögliche Einsatzfälle sind Beurteilung einer Website vor der Überarbeitung und danach. So lässt sich beispielsweise die gesteigerte Attraktivität der Site belegen (etwa mit AttrakDiff). Oder man lässt den Fragebogen nach einem ersten Eindruck der Testperson von der Anwendung ausfüllen und dann nochmals, nachdem sich die Person intensiv mit der Anwendung beschäftigt hat. So lässt sich feststellen, ob sich der erste Eindruck bestätigt oder wie die Erwartungen enttäuscht bzw. übertroffen werden.

Usability-Test

Der Usability-Test ist die wichtigste Methode. Dabei beobachten Sie, wie die Benutzer tatsächlich mit der Anwendung oder einem Prototyp umgehen. Meist wird ihnen dazu eine Aufgabe gestellt.

Möglich sind dabei neben Ihren eigenen Notizen die Aufzeichnung von

  • Audio
  • Video
  • Aktivitäten auf dem Bildschirm
  • Tastatureingaben (Video oder Logging)
  • Logfiles der angewählten Links/Seiten
  • Blickbewegung
  • Mehr zum Thema Usability Test

Usability-Tests lassen sich sehr informell mit nur drei Personen und einfacher Beobachtung durchführen, was immer relevante Usability-Probleme zu Tage fördert. Mit mehr Testpersonen und detaillierteren Aufzeichnungen sind die Ergebnisse aber natürlich umfangreicher und besser belegbar.

Fazit

Eine Alternative zu Usability-Tests gibt es nicht. Mit keiner anderen Methode bekommen Sie heraus, was die Benutzer mit Ihrer Anwendung tatsächlich tun. Allerdings gibt es einige Methoden, die ergänzend sinnvoll einzusetzen sind. Welche das sind, lässt sich nicht allgemein festschreiben, das muss je nach Anwendung, Zeit- und Geldrahmen sowie den Zielen des Projekts entscheiden werden.

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