Schreibprozess: Am Anfang war der Schreibauftrag


Schreiben als Prozess

Wer kennt beim Schreibprozess folgende Situation nicht: Ein Schreibauftrag wird erteilt. Der Autor recherchiert, führt Interviews, sichtet Material. Alle nötigen Informationen liegen vor. Fehlt nur noch die texterische Umsetzung. Wie soll der Autor jedoch beginnen? Wie sieht der ideale Schreibprozess aus? Gibt es diesen überhaupt?

Der Schreibprozess als Modell

Zunächst ist zu klären, was unter dem Begriff „Schreibprozess“ zu verstehen ist. Vereinfacht gesehen, lässt sich der Schreibprozess in drei Schritte unterteilen:

Schreiben als Prozess

Diese drei Komponenten des Schreibprozesses – Planung, Formulierung und Überarbeitung – hängen stark voneinander ab. Zu beachten ist, dass der Schreibprozess meist nicht linear verläuft, vielmehr kehrt der Texter des Öfteren zu der jeweils vorausgehenden Phase zurück. Beispielsweise bemerkt er in der Formulierungsphase, dass seine Argumentation eine andere Textstruktur erfordert. Derartige Änderungen sollte der Texter nicht scheuen. Die hierfür aufgewandte Zeit spart er in der abschließenden Überarbeitungsphase leicht wieder ein.

Professionelles und amateurhaftes Schreiben im Vergleich

In einem schweizerischen Forschungsprojekt beobachtete Daniel Perrin den Schreibprozess von 17 Medienleuten und kam zu dem Ergebnis: Erfahrene Autoren schreiben anders als unerfahrene. Sie legen ihren Schreibprozess bewusster an und achten stärker auf Sinn und Funktion des fertigen Texts. Kurz, sie verfügen über ein umfangreicheres Repertoire an Schreibstrategien. [1]

Zielsetzung:

Die Unterschiede zwischen Profi und Amateur beginnen schon bei der Zielsetzung ihres Schreibens: Unerfahrene Texter konzentrieren sich auf die reine „Wiedergabe von Information“. Ihr Ziel ist es, den Input möglichst genau und vollständig wiederzugeben.

Der Profi dagegen setzt auf die „Transformation von Information“. Der Input wird nicht nur vollständig und genau wiedergegeben, sondern auch modifiziert und strukturiert. Der Profi nimmt stärkeren Einfluss auf die Gestalt seines Textes.

Planung:

Amateure fangen sofort mit der Textproduktion an und verwenden keine oder wenig Zeit darauf, die Struktur des zu schreibenden Textes im Vorhinein festzulegen. Sie beginnen sozusagen „in medias res“. Das bedeutet, der Endtext ist mehr oder weniger ein Zufallsprodukt.

Profis wissen dagegen: Die Planungsphase ist ausschlaggebend für die Qualität des Endtextes – entsprechend viel Zeit wird auf sie verwendet. Von Anfang an fokussiert der Profi seine Zielgruppe, denn nach ihr richtet sich nicht nur die Auswahl der Informationen, sondern auch der sprachliche Stil des Textes. Die Klärung der 1+7 Ws (1: Welche Zielgruppe; 7: Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum? Woher? (Informant/Quelle)[2]) läuft beim Profi automatisiert ab. Mittels dieser Fragen gibt der Profi seinem Text eine feste Struktur. Kurz: Profis planen den Schreibprozess bewusst.

Formulierung:

Der unerfahrene Texter ist oft völlig damit ausgelastet, seine Informationen sprachlich korrekt zu übermitteln. Für den Profi ist die sprachlich korrekte Übermittlung lediglich Pflicht; darüber hinaus kann er sich noch der Kür, der rhetorischen Eleganz seines Textes, widmen. Hierzu zählt auch eine abwechslungsreiche, dennoch klar strukturierte Syntax. Gleichzeitig behält der Profi seine Zielgruppe fest im Blick. Denn nicht dem Texter selbst, sondern seinen Lesern muss der Text gefallen und vor allem verständlich sein.

Überarbeitung

Ist der letzte Satz geschrieben, so lehnt sich der unerfahrene Texter erleichtert zurück, um seinen Text noch einmal Korrektur zu lesen. Oft fällt es ihm jedoch schwer, die nötige Distanz zu seinem eigenen Text herzustellen: Fehler bleiben so unerkannt. Erschwerend kommt hinzu, dass der unerfahrene Texter die falschen Prioritäten setzt. Er hält nach grammatikalischen und orthographischen Fehlern Ausschau. So nimmt der Amateur seinen Text nicht in seiner Ganzheit wahr, sondern befasst sich vornehmlich mit der Mikroebenen (der Wortebene) des Textes.

Im Gegensatz hierzu lesen erfahrene Schreiber ihre Texte mehrfach Korrektur, und zwar auf drei verschiedenen Ebenen:

  1. Inhaltliche Ebene (Argumentation, Vollständigkeit, Logik)
  2. Stilistische Ebene (Anpassung des Stils an Zielgruppe und Thema)
  3. Sprachliche Ebene (Orthographie, grammatikalische Fehler)

Aus Gründen der Effizienz ist genau diese Reihenfolge (von der Makro- zur Mikroebene) einzuhalten. Erfolgen inhaltliche Änderungen erst nach dem sprachlichen Korrekturgang, besteht die Möglichkeit, dass sich erneut Rechtschreibfehler einschleichen. Und das Spiel beginnt von vorne. Die Dreiteilung des Überarbeitungsprozesses sowie das Korrekturlesen auf dem Papier helfen, eine kritische Distanz zum eigenen Text herzustellen. Fehler lassen sich leichter identifizieren.

Der Aufstieg zum Profi-Schreiber

Für erfolgreiches Schreiben gibt es kein Patentrezept. Folgende Tipps unterstützen Sie jedoch, die ersten Hürden Ihrer Schreibkarriere zu meistern:

  • Sichten Sie das Ihnen zur Verfügung stehende Material kritisch. Selektieren und strukturieren Sie die Informationen je nach Zielsetzung Ihres Artikels.
  • Verwenden Sie genügend Zeit auf die Planungsphase – von ihr hängt der Erfolg Ihres Artikels ab.
  • Machen Sie sich klar, für welche Zielgruppe Sie schreiben. Nach der Zielgruppe richtet sich nicht nur Ihre Informations-Selektion, sondern auch der Stil Ihres Artikels.
  • Geben Sie Ihrem Text Struktur. Machen Sie sich die 1+7 Ws klar.
  • Formulieren Sie präzise und flüssig. Stellt dies kein Problem mehr für Sie dar, können Sie rhetorische Mittel in Ihren Text integrieren.
  • Lesen Sie Ihren Text mehrmals Korrektur, und zwar auf Papier (am Bildschirm bleiben Fehler oft unentdeckt). Arbeiten Sie sich dabei von der Makro- zur Mikroebene vor: Inhalt – Stil – Orthographie und Grammatik.

Beachten Sie diese einfachen Regeln und bringen daneben auch Sprachgefühl mit, steht Ihrem Aufstieg in die Liga der Profi-Schreiber nichts mehr im Wege. Hier finden Sie weitere Tipps für professionelles Schreiben.

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[1] vgl. Perrin, Daniel: Wie Journalisten schreiben. Ergebnisse angewandter Schreibprozessforschung. Konstanz: UVK 2001, S.11.

[2] vgl. Alkan, Saim Rolf: 1×1 für Online-Redakteure und Online-Texter. Einstieg in den Online-Journalismus. Göttingen: Business Village 2006, S. S.21.

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