Drei Use Cases für Künstliche Intelligenz im Digital Publishing – Was wir von großen Medienhäusern lernen können

Künstliche Intelligenz wird zu einem immer wichtigeren Schlagwort, wenn es um die Zukunft der Digitalisierung geht. Auch im Digital Publishing-Business befinden sich intelligente Systeme klar auf dem Vormarsch. Im Digital News Report des Reuters Institute gaben 72 Prozent der befragten Redakteure an, dass sie in ihren Newsrooms mit Künstlicher Intelligenz experimentieren wollen.

Die Anwendungsgebiete sind dabei vielfältig: Von der Automatisierung der Redaktionsabläufe über Recherchen bis hin zur Interaktion mit den Lesern, bietet Künstliche Intelligenz schon jetzt eine Vielzahl von Optionen, die das Digital Publishing nachhaltig verändern könnten. Doch wie genau können sich intelligente Systeme in den Redaktionsalltag einfügen und welchen konkreten Nutzen bieten sie?

Wir stellen drei Use Cases vor, die große Medienhäuser bereits umgesetzt haben.

#1: Automated Journalism

Die Washington Post veröffentlichte im letzten Jahr über 850 Artikel, die nicht von Menschenhand geschrieben wurden – sondern von Algorithmen. “Heliograf” heißt das intelligente, hauseigene System, das nun als Robo-Journalist fungiert. Bereits bei den Olympischen Sommerspielen in Rio wurde das Programm eingesetzt, um die Ergebnisse verschiedener Disziplinen auszuwerten und in kurze, verständliche Texte zu verpacken. Inzwischen wurden die Anwendungsgebiete beispielsweise auf kleinere Football-Spiele oder Gouverneurs-Wahlen ausgeweitet. Während sich der Roboter um die Auswertung von Daten und das Verfassen kleiner Meldungen kümmert, können Journalisten ihre Energie auf größere Hintergrundthemen fokussieren. Auch Publisher wie Yahoo Sports oder die amerikanische Presseagentur Associated Press nutzen inzwischen die Vorteile des automatisierten Journalismus.

Das Thema Automated Journalism ist mit dem Verfassen kurzer Meldungen jedoch nicht erschöpft. Immer mehr Medienhäuser, wie die USA Today, Times Inc. oder Reuters, kooperieren mit der Plattform Wibbitz. Wibbitz ist eine Anwendung, die automatisch Texte in kurzen Videos zusammenfasst. So bietet sich Publishern die Möglichkeit, Nachrichten automatisch in einem weiteren Format zu produzieren und auszuspielen. User können die Inhalte dann je nach Belieben als Text oder Video konsumieren. Automated Journalism unterstützt Medienhäuser damit nicht nur bei der Erstellung einfacher Routine-Inhalte, sondern kann auch zur Vielfalt des journalistischen Angebots beitragen.

 

#2: Leser Interaktion

Chat Bots haben sich in vielen Branchen bereits als Mittel der Kundenbetreuung etabliert. Aber auch im Digital Publishing bieten sich mit künstlicher Intelligenz nun neue Möglichkeiten, mit Lesern zu interagieren und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. So hat der Guardian ein interaktives Leser-Tool entwickelt, dass Nutzern die neuesten Nachrichten per Chat im Facebook-Messenger zukommen lässt. User können sowohl einstellen, wann der Chat-Bot ihnen die Nachrichten liefern soll, als auch welche Region sie interessiert und welche Themengebiete relevant sind. Der Bot antwortet ebenfalls auf Nachrichten der Leser mit weiteren relevanten Inhalten. Nutzer müssen sich dementsprechend nicht mehr durch Nachrichtenseiten scrollen, sondern empfangen auf sie zugeschnittene Nachrichten über einen persönlichen Kanal mit der Möglichkeit, weitere Informationen direkt per Nachricht anzufordern.

Die New York Times hingegen experimentiert mit einem Tool, das die Moderation und Betreuung von Online-Kommentaren grundlegend verändern könnte. “Perspective API”, eine Anwendung aus dem Hause der Google-Firma Alphabet, sortiert automatisch Kommentare basierend auf ihrer Tonlage und ordnet diese auf einer Skala ein. So werden moderate und neutrale Beiträge von solchen getrennt, die sich auf einer aggressiven oder sogar beleidigenden Schiene bewegen. Nutzer können so selbst bestimmen, welche Art von Kommentaren sie einsehen wollen und welche sie lieber ausblenden lassen. Diese Funktion könnte nicht nur die User Experience verbessern, sondern auch für die Kommentar-Moderatoren der New York Times eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeuten, indem beleidigende und übergriffige Kommentare automatisch gefiltert und aussortiert werden können.

#3: Semantic Discovery

Ein weiteres Anwendungsfeld für Künstliche Intelligenz im Digital Publishing ist die so genannte Semantic Discovery, deren Spielformen sich bereits in verschiedenen Medienhäusern rund um die Welt durchgesetzt haben. Das Ziel: Daten, News und andere relevante Inhalte automatisch in Bezug setzen, verschlagworten, auswerten und so einen effizienteren Umgang mit Nachrichtenquellen ermöglichen.

Mit dem KI-Tool “Juicer” hat die BBC bisher eines der umfassendsten Werkzeuge im Bereich der Semantic Discovery umgesetzt. Die Anwendung sammelt Informationen aus rund 850 News-Outlets und Feeds weltweit, versieht sie mit Schlagworten und ordnet sie in einer der Kategorien Personen, Organisationen, Orte und Dinge ein. Bei der Recherche können Journalisten auf diese umfassende Datenbank zurückgreifen, durch die Einordnung den Überblick über verwandte und ähnliche Artikel behalten und so auf umfassende, künstlich generierte Informations-Pools zurückgreifen. Zukünftig könnte “Juicer” auch den Lesern helfen: In Artikeln sollen dann bestimmte Worte verlinkt werden, sodass sich beim Draufklicken Fenster mit Hintergrundinformationen öffnen.

 

Fazit

Die Bedeutung der künstlichen Intelligenz für das Digital Publishing wächst rasant. Führende Medienhäuser rund um die Welt beginnen das Potenzial von KI-Tools für sich zu entdecken und zu nutzen. Sei es zur Automatisierung von Routine-Aufgaben, zur Betreuung von Lesern oder als Recherche-Erleichterung für Journalisten und andere Texter – künstliche Intelligenz könnte die Medienbranche zukünftig entscheidend mitgestalten.

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