SEO inklusive: Suchmaschinenfreundliche Content-Management-Systeme


SEO Kompass

Content, der im Web nicht gefunden wird und nicht auf den vorderen Plätzen der Suchmaschinen-Ergebnisse steht, ist relativ wertlos. Von Haus aus unterstützen allerdings die meisten Content-Management-Systeme (CMS) die Suchmaschinenoptimierung nicht optimal. Unsere Checkliste zeigt, was bei der Auswahl einer CMS-Lösung zu beachten ist und wie eine spätere Optimierung aussehen kann.

Das Experiment ist gelungen: Ganz ohne Tricks, Link-Building oder Social Signals gelang es Dr. Kerstin Hoffmann in einem exemplarischen Kundenprojekt in nur acht Wochen  eine deutlich verbesserte Suchmaschinen-Platzierung für verschiedene Begriffe zu erreichen.  Zum Einsatz kamen dabei nur reine On-Page-Maßnahmen wie optimierte Texte, Keywords und interne Verlinkung. Die PR-Beraterin aus Tönisvorst unterstreicht: „Entgegen der klassischen SEO-Lehre ist ein Erfolg heute allein mit Texten und Onsite-Maßnahmen erreichbar“.

Für die Tochterfirma eines Konzerns, der als IT-Dienstleister zu den Marktführern in Deutschland zählt, entwickelte sie zusammen mit dem SEO-Experten Borris Häring ein ganzes Bündel von Optimierungsvorschlägen. Ziel war eine deutliche Erhöhung der Zugriffszahlen auf die noch relativ neue Website des Unternehmens und dadurch die Verbesserung der Chance zur Gewinnung von neuen Kunden.

Deutliche Verbesserung im Suchmaschinen-Ranking

Auf den verschiedenen Seiten des Webauftritts, der mit einem Content-Management-System gepflegt wird, wurden nach WDF*IDF (Within Document Frequency*Inverse Document Frequency) optimierte Texte eingefügt. Wobei bei den Produktseiten, die in einer bestimmten Struktur die Produkte des Unternehmens imageträchtig und Kundennutzen-zentriert in Szene setzen, nur ein geringer Spielraum für Veränderungen gegeben war. Hier konnten nur sehr punktuell und auf wenigen Unterseiten kurze Textbausteine oder einzelne Keywords untergebracht werden.

Besser ging das schon auf den Themenseiten, die redaktionellen Content mit vorwiegend Ratgebercharakter zu einem bestimmten Thema und/oder zu aktuellen Anlässen enthalten. Und auch bei den Tagseiten, die vom CMS automatisch generiert werden und Links und Vorschauen aller auf der Website vorhandenen Artikel zu einem jeweiligen Suchbegriff (Tag) anzeigen, ließen sich relativ leicht hochoptimierte Texte samt Zwischenüberschriften einfügen. Außerdem wurde die interne Verlinkung konsequent verbessert und die Snippets (Kurz-Vorschau der Texte der jeweiligen Seite in der Suchmaschinen-Anzeige) für die bestehenden Seiten optimiert.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alleine durch die optimierten Inhalte, die Verwendung der gewünschten Suchworte und die bessere interne Verlinkung wurden acht Keywords in die Top 10 bei Google gebracht oder ihre Position innerhalb der Spitzengruppe verbessert. Bei weiteren Begriffen, die vorher weit abgeschlagen waren, wurde ebenfalls eine deutliche Verbesserung im Ranking erzielt. Dass sich dieser Aufwand für den Auftraggeber längerfristig auszahlen wird, ist sicher. Doch trotzdem stellt sich die Frage, warum bei einer relativ neuen und mit einem CMS gepflegten Website eine solche Optimierung nicht von Anfang an erreicht werden konnte?

Out of the Box ist keine CMS-Lösung für SEO geeignet

Die Antwort ist leider recht einfach: Out of the Box sind die meisten Content-Management-Systeme relativ schlecht für eine ordentliche SEO-Basis gerüstet. Selbst WordPress, das bei über 20 % aller Websites als CMS eingesetzt wird, macht hier keine Ausnahme. Die Blogsoftware wird zwar durch verschiedene Features schon von Haus aus von den Suchmaschinen geliebt, doch ohne zusätzliche SEO-Plug-Ins lassen sich viele Chancen damit nicht wirklich nutzen. Ähnlich ist es bei anderen weitverbreiteten Plattformen wie Joomla, Drupal oder Typo3. Hier müssen angepasste Templates zum Beispiel dafür sorgen, dass eine saubere Informationsarchitektur und die daraus resultierende URL-Struktur gewährleistet sind. Oder Duplicate Content vermieden und die interne Verlinkung aus dem Fließtext heraus unterstützt wird. Wichtig ist es auch, durch verschiedene Maßnahmen die Ladezeiten so gering wie möglich zu halten. Denn auch das ist ein wichtiger Rankingfaktor bei Google & Co.

Kein CMS weiß, welche Schlüsselbegriffe sich für einen Artikel lohnen

Erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung braucht den Menschen

Verschiedene Anbieter von Content-Management-Systemen werben damit, dass ihre Software unter SEO-Gesichtspunkten entwickelt wurde und die Suchmaschinenoptimierung unterstützt. Umfassende Enterprise-CMS-Lösungen wie Adobe Experience Manager  (AEM) gehen sogar noch einen Schritt weiter und sind mit Analytics-Anwendungen integriert, die eine Basis für die permanente  Optimierung der Inhalte liefern und so eine Steigerung der Konversionsraten ermöglichen.

Zu den AEM-SEO-Features zählen beispielsweise die Erzeugung einer suchmaschinenfreundlichen URL-Struktur, die Verwaltung von Metadaten, die richtige Formatierung von Überschriften und Text oder eine optimierte Fotoauszeichnung. Vor allem aber sorgen solche CMS-Lösungen durch ihre einfache Benutzerführung dafür, dass auch ohne HTML- oder Programmierkenntnisse ständig frische Inhalte erzeugt und bereitgestellt werden können. Und genau das ist ebenfalls ein wichtiger Rankingfaktor für die Suchmaschinen.

Allerdings: Ohne professionelle Suchmaschinenoptimierung durch Experten führen auch solche Plattformen nicht zum gewünschten Erfolg. Denn kein CMS weiß, welche Schlüsselbegriffe sich für einen Artikel lohnen (Keyword Research), wie diese Keywords in den Seitentitel einfließen müssen und wie sich guter Content mit der richtigen Keywordintensität erstellen lässt. Auch die richtige Struktur eines Webauftritts und die passende interne Verlinkung der relevanten Keywords muss von Menschenhand erarbeitet werden. Ebenso die Webanalyse und die daraus abzuleitende permanente Optimierung der Inhalte.

 SEO-Experten bei CMS-Auswahl und -Installation einbeziehen

Zu 100 Prozent SEO-optimierte Content-Management Systeme „von der Stange“ gibt es nicht und wird es wahrscheinlich auch nie geben. Denn das Thema der OnPage-Suchmaschinenoptimierung ist derart komplex, dass oft nur unvollständige Lösungen geboten werden können. Zumal auch die Bedürfnisse in den Unternehmen sehr unterschiedlich sind.

Aber das CMS sollte über die Flexibilität verfügen, dass es an die jeweiligen Anforderungen angepasst oder auch entsprechend erweitert werden kann. Schon die Auswahl und Planung sowie die Installation und Konfiguration eines CMS sollte deshalb immer mit den SEO-Spezialisten im Hause oder der Agentur abgestimmt werden. Dies ist umso wichtiger, da jeder Internetauftritt individuell für die Suchmaschinen optimiert werden muss.

Checkliste für die Auswahl eines suchmaschinenfreundlichen CMS

Eine Hilfe bei der Entscheidung kann diese Checkliste liefern. Diese Funktionen sollte heute eine CMS-Lösung haben, damit sie die Suchmaschinenoptimierung bestmöglich unterstützt:

1. Technische Optimierung

  • Unterstützung von Meta-Tags (Meta Description, Meta Robots index/noindex, Meta Robots follow/nofollow, Meta Robots noodp und noydir, Meta Robots noarchive, Meta Robots nosnippet, Meta Robots none. Auf das Tag „Meta Keywords” kann dagegen verzichtet werden, denn das hat sogar einen negativen SEO-Effekt.
  • Trennung von Content, Style und Technik
    • JavaScript und (externe) Cascading Style Sheets (CSS) werden zur Trennung von Form und Funktion genutzt
    • Keine Verwendung von Tabellen im Design
    • Keine überflüssigen Tags oder unnötigen Code
    • HTML5 statt Flash
  • Seitenladezeiten werden optimiert, z.B. durch
    • Trennung von Content und Stylesheet
    • Vorformatierung von Grafiken und Bildern
    • Kein versteckter Content auf den Seiten
    • Möglichst wenige HTTP-Requests
    • CSS und Javascripts werden kombiniert oder extern geladen
    • Einsatz von Kompression und Vollseiten-Caching
    • Verwendung eines Content Delivery Network (CDN)
    • Kein Flash oder iFrames
  • Die Datei robots.txt kann editiert werden
  • Duplicate Content wird vermieden
    • Das CMS lässt keine Veröffentlichung von identischen Inhalten auf verschiedenen Seiten zu
    • Die Seite enthält ein Canonical-Tag
  • Automatische Erstellung einer dynamischen XML-Sitemap ist möglich
    • Das CMS erzeugt separate Sitemaps für unterschiedliche Inhaltsarten (Seiten, Bilder, Videos, mobile Daten, News, Geo-Daten usw.)
    • Automatisches Update der XML-Sitemap(s)
    • Die XML-Sitemap(s) entsprechen dem www.sitemaps.org Protokoll
  • Meta-Tags können für verschiedene Sprachen gesetzt werden
    • Die einzelnen Sprachen sollten in einzelnen Ordnern organisiert werden können
    • ccTLD-Support, Veröffentlichung von Übersetzungen auf verschiedenen Webseiten mit einer länderspezifischen Domain
    • Das Meta tag rel=”alternate” hreflang=”language“ sollte auf den Seiten vorhanden sein
  • Kreation und Optimierung werden mit Hilfe von Templates beschleunigt
  • Erzeugung von SEO-freundlichen 404-Fehlerseiten
  • W3C-Validierung des gesamten Code ( (HTML, Javascript und CSS)

2. Content und Redaktion

  • Meta-Titel können angepasst werden, so dass jede Seite einen einzigartigen Titel bekommt (bei größeren Websites automatisiert)
    • Verwendung von statischen Kategorien und Tags ist möglich
    • Anpassbare statische (Unter)Kategorien und Seiten-Tags
    • Einführung (“SEO Copy”) am Beginn oder Ende der Seite
    • Einzigartige, statische URL für Kategorien
    • Seiten-Nummerierung mit rel=”next” und rel=”prev”-Tags
  • Die URLs sind SEO-freundlich
    • Erzeugung einzigartiger, lesbarer URLs auf Seitenebene
    • Automatische URL-Erzeugung auf Basis von Tags oder Kategorien (für größere Websites)
    • Die URLs sind statisch
    • Leerzeichen zwischen den Worten werden durch Bindestriche ersetzt
    • Keine Verwendung von Großbuchstaben und Sonderzeichen in der URL
  • Kontrolle der HTML-Auszeichnung in Überschriften (h1, h2, h3)
  • Kontrolle der Hyperlinks
    • Hinzufügen von Links im Fließtext muss möglich sein
    • Der Ankertext in jedem Link sollte editierbar sein
    • Bearbeitungsmöglichkeit für Links in den Titel-Tags
    • Kontrolle von automatisch erzeugten Links (z.B. „Weiter”)
    • Hinzufügen  von rel=”nofollow” muss möglich sein
  • Ein Blog- oder News-Bereich ist Teil der Website-Struktur und neue Seiten können jederzeit hinzugefügt werden
  • Das CMS erzeugt keinerlei „versteckten” Content
  • Verwendung einer Breadcrumb-Navigation, die dem Nutzer und auch dem Suchmaschinen-Spider eine bestmögliche Orientierung ermöglicht
  • Bilder sollten eine eigene URL, ein alt-Tag und individuellen Mouse-over-Text bekommen
  • Eingebaute SEO-Tools
    • Keyword-Vorschläge
    • Anzeige der Keywordintensität in einem Text
    • Übersicht über Backlinks und deren Management
    • Automatische Anzeige von Broken Links
    • Wettbewerberanalyse zeigt SEO-Möglichkeiten auf
    • Veränderungen im Ranking werden angezeigt
    • Schnittstellen zu Analysetools
  • Das CMS erzeugt  Rich Snippets mit Tags
  • Automatische Unterstützung bei SEO-Aufgaben
    • Überschriften und Metatags werden automatisch erzeugt
    • interne Links werden automatisch aktualisiert
    • Automatisches Einfügen von ausgewählten Keywords
  • Verwandte Links werden angezeigt (z.B. Artikel, Produkte, Seiten)
  • Canonical Tags können angepasst werden

3. Link-Aufbau und Social Media

  • Automatische 301 Redirects bei URL-Änderungen
  • Überflüssige Seiten werden archiviert oder redirected
  • Social Media ist voll in die Website integriert
    • Buttons für Facebook, Twitter, XING, Linkedin, Google+ usw.
    • Unterstützung des Facebook Open Graph
    • Twitter, Facebook oder Google+ Box
    • Anzeige von Tweets
    • Login mit Twitter, Facebook, Google, Disqus und/oder LinkedIn
    • Kommentarmöglichkeit mit Facebook oder Disqus
  • RSS-Feeds zum Teilen des Content
  • Erzeugung angepasster XML- Feeds (z.B. Produktfeeds für Google Shopping oder Artikel-Feeds)

4. User Experience

  • AB-Tests sind möglich, z.B. mit
    • Google Analytics Content Experiments
    • Visual Website Optimizer
    • Maxymiser
  • Unterstützung unterschiedlicher Browser
  • Responsive Design ermöglicht die automatische Anpassung der Website an unterschiedliche Endgeräte und Bildschirmgrößen (z.B. Smartphones und Tablets)
  • Benutzerfreundliches User Interface
  • Navigation ist klar und einheitlich
  • Buttons und Links sind gut sichtbar
  • Eigene Suchfunktion auf der Website
  • Sämtlicher Content ist mit 3 Klicks erreichbar
  • Vorgefertigte Calls-to-Action erhöhen die Benutzeraktivität
  • Ein Stylesheet zum Ausdrucken ist vorhanden

5. Zusätzliche Funktionen

  • Erzeugung von Codes für das Besucher-Tracking oder ein Tag-Management-System ist vorhanden
  • Einbindung eines Favicons, das in der Navigationsleiste des Browsers und in den Bookmarks angezeigt wird
  • Unterstützung des Erstellens von angepassten Landing Pages für Kampagnen

 

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Bildquellen

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3 Comments

  1. 25. September 2015
    Antworten

    Die Großschreibung ganzer Begriffe in der URL wirkt sich also negativ aus, gilt das auch für den Titel einer Seite?

    • Martin Reichhardt
      26. September 2015
      Antworten

      Es geht nur um die URL. Zumindest hat searchmetrics seinerzeit in seinen SEO Basics dazu geschrieben:
      „Der Grund dafür ist, dass bestimmte Server Betriebssysteme eine Unterscheidung nach Groß- und Kleinschreibung treffen. Im ersten Schritt klingt das nicht weiter bedenklich, nur kommt es schon mit dem ersten externen Link in abweichender Schreibweise zu einem doppelten Inhalt im Index.“

  2. 9. November 2017
    Antworten

    2018 kommt Frontly: Das Front-CMS für OnPage Optimierung. Die ersten Pilotprojekte mit dem neuen CMS haben innerhalb von 2 Monaten ohne die Erstellung neuer Inhalte den organischen Suchmaschinen-Traffic um ca. zu 150% erhöht. Laut Google Analytics 1511 zu 596 Websitebesucher über die Organische Suche im gleichen Zeitraum ( 30 Tage ) vor einem Jahr.

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