Clubhouse: B2B-User verraten, was sie von der App halten


Clubhouse
Clubhouse hat für viel Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff gesorgt. Sowohl auf der Plattform selbst, wie auch in den sozialen Netzwerken. Wir haben bei vier B2B Nutzern der App nachgefragt, wie sie Clubhouse einschätzen und wie aus ihrer Sicht die Zukunftsaussichten sind.

Spontane „Podcasts“ und Live-Diskussionen. Das ist das Konzept hinter dem Audio-Only Social Network Clubhouse. Nur mit der Stimme tauschen sich Menschen dort in sogenannten Räumen aus. Seit dem Start vor einigen Tagen schellten die Nutzerzahlen hoch. Nun hat sich der erste Hype etwas gelegt. Zeit, genauer hinzublicken. Wir haben mit vier B2B Nutzern besprochen, wie sie die App nach der ersten Testphase bewerten. Kann Sie langfristig erfolgreich sein? Was läuft gut, was kann man verbessern? Und: Wie lässt sie sich für die Unternehmenskommunikation und das Marketing nutzen?

Clubhouse: langfristig erfolgreich oder nur ein kurzer Hype ?

Anne-Sophie Wolf, Senior Brand Manager Unzer

Clubhouse hat aus meiner Sicht definitiv Potenzial langfristig erfolgreich zu sein – selten hat ein soziales Netzwerk so schnell so viel mediale Aufmerksamkeit erregt. Interessant wird es, wenn sich die Pandemie-Lage entspannt und wir unsere Zeit wieder mit vielen verschiedenen Aktivitäten verbringen können. Ich glaube aber, dass auch in einiger Zeit eine Vielzahl relevanter Clubhouse Formate entstehen werden und die Community weiter stark wachsen wird.

Claudia Kobbenbring, Senior PR Beraterin Drunk Octopus Communications

Mein Gefühl ist, dass die App durch den derzeitigen Lockdown in Deutschland auf jeden Fall gut angenommen wird. Wenn es jedoch wieder die Möglichkeit gibt, sich persönlich auszutauschen, wird es für das Konzept der App meiner Meinung nach eng.

Quelle: Haufe Advisory

Erika Stefan, Marketing Manager bei Haufe Advisory GmbH

Ich denke, es ist noch zu früh, eine Prognose darüber abzugeben. Jeder ist noch im „Probier-Modus“ und sucht nach der passenden Einsatzmethode bzw. Verwendung der App. Gut finde ich, dass hier auf Kommunikation gesetzt wird und ich denke, Clubhouse kann auch langfristig erfolgreich sein, wenn Augenmerk auf die Qualität der Kommunikation gelegt wird.

Quelle: Parcel.One

Micha Augstein, Gründer und Geschäftsführer PARCEL.ONE

Aktuell ist es wirklich „nur“ ein Hype. Es wird künstlich gepushed mit dem kleinen Marketing-Einmaleins. Das hat schon beim neuen Club in der Stadt funktioniert – deshalb auch „Clubhouse“. Je schwerer es ist, reinzukommen desto heißer war der Scheiß. Technisch ist hier kein Rad neu erfunden worden. Also wird es auch bald Alternativen geben (und dann auch für Android) und dann wird es wieder ruhiger um „Clubhouse“.

Was gefällt Ihnen gut und was nicht ?

Anne-Sophie Wolf, Senior Brand Manager Unzer

Die Idee eines „Mitmach-Podcasts“ trifft den Zeitgeist wie kaum ein anderes Unterhaltungsformat derzeit. Die Themenvielfalt ist groß und auch die Möglichkeit in den Dialog mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltungsbranche zu treten sind super spannend.

Ich finde es allerdings schade, dass toller Content aus den Talks danach einfach weg ist – hier sollte man sich dringend eine Lösung einfallen lassen, sonst schwindet der Reiz für die Moderatoren nachdem der erste Hype vorüber ist. Die Beschränkung auf maximal 5.000 Zuhörer in einem Raum ist auch fraglich für Mainstream-Themen. Mir fehlt aktuell noch eine Messenger Funktion und auch die Möglichkeit Fragen während der Talks per Nachricht bei den Moderatoren einzureichen.

Claudia Kobbenbring, Senior PR Beraterin Drunk Octopus Communications

Die Nahbarkeit von interessanten Persönlichkeiten ist cool und sicherlich ein Faktor, der bei vielen funktioniert. Die Probleme mit dem Datenschutz sind für mich nicht von der Hand zu weisen, das sehe ich problematisch. Durch das Beispiel mit Bodo Ramelow hat man zudem gesehen, dass das „what happens at Clubhouse, stays at Clubhouse“ auf Dauer nicht halten wird (Bodo Ramelow hatte unter anderem in einer Clubhouse-Runde erzählt, dass er während einer Ministerpräsidentenkonferenz „Candy Crush“ gespielt hatte, Anm. d. Redaktion). Dadurch wird auch die Qualität der „offenen Gespräche“ leiden. Die Exklusivität mit den Einladungen empfinde ich zudem als albern und aus der Zeit gefallen.

Erika Stefan, Marketing Manager bei Haufe Advisory GmbH

Spannend ist das Konzept, dass man den Eintritt nur nach Einladung erhält. Das hat den Reiz eines exklusiven Kreises, zu dem man gehören möchte. Ob sich dieses Konzept halten kann, bzw. dieser Reiz auf Dauer bestehen bleiben kann, wird sich zeigen. Ebenso interessant ist, dass man sich unkompliziert mit bekannten Persönlichkeiten & spannenden Speakern austauschen kann. Da live gesendet wird, ist die Kommunikation sehr authentisch. Leider wird die App derzeit noch nicht für Android angeboten, aber auch bei iOS funktioniert die App nur auf den neueren Versionen des Betriebssystems bzw. Geräten.

Micha Augstein, Gründer und Geschäftsführer PARCEL.ONE

Reine Audiotalks ohne Kamera und ohne Aufnahme sind aktuell wirklich was Spannendes und bergen eine gewisse Eigendynamik. Je nach Konstellation der Teilnehmer können da echt profunde Runden herauskommen mit genialem Content. Das Ganze kann aber auch nach hinten losgehen, wenn dort Dinge gesagt werden, die man nicht mehr zurücknehmen kann. Und es kann eben jeder zuhören, der die App nutzt. „Um Kopf und Kragen reden“ ist hier sehr gefährlich. Man hält das Gespräch für intimer als es eigentlich ist und es können ja Tausende von Menschen zuhören.

Wie kann man Clubhouse für die Unternehmenskommunikation und das Marketing nutzen?

Anne-Sophie Wolf, Senior Brand Manager Unzer

Clubhouse ist eine Chance auf authentische Art und Weise mit der Community in den Dialog zu treten und relevante Themen und Experten zu platzieren. Im Austausch kann man dabei wertvolle Insights erlangen ein tolles Gespür dafür bekommen, was die Community bewegt. Aber bitte bloß nicht zu werblich werden – Clubhouse sollte nicht als ein weiterer Paid Media Kanal verstanden werden, sondern als Plattform für einen ehrlichen und ungefilterten Austausch. Und so sollte sie auch von Unternehmen genutzt werden. Also Finger weg vom Sales Pitch hin zur Positionierung von Experten und wertvollen Inhalten. Dies kann ohne Zweifel einen positiven Effekt auf Brand Awareness und Image haben.

Claudia Kobbenbring, Senior PR Beraterin Drunk Octopus Communications

Das hängt von verschiedenen Parametern ab. Bestimmt gäbe es hier und dort die Möglichkeit, dass Unternehmensverantwortliche an Gesprächen teilnehmen oder selbst eines führen können (gut für die Awareness des Unternehmens). Die Kunden und GeschäftsführerInnen, die ich beispielsweise betreue müssen aber auch tatsächlich arbeiten – sie können sich dort nicht den ganzen Tag tummeln und in einen vermeintlich nahbaren Daueraustausch mit anderen treten. Dafür müsste Clubhouse B2B-lastiger konzipiert sein oder vielleicht eine B2B-Version der App bereitstellen. Das wäre gut monetarisierbar und daher interessant für die Gründer – jedoch auch eine komplette Umstellung des App-Prinzips.

Erika Stefan, Marketing Manager bei Haufe Advisory GmbH

Ich denke, man kann das Format für Unternehmenskommunikation und Marketing gut nutzen, indem man sich bei den Talks als Experte in bestimmten Fachbereichen positioniert, mehr Sichtbarkeit erreicht und auch viele Follower für seine „Clubs“ gewinnt.

Micha Augstein, Gründer und Geschäftsführer PARCEL.ONE

Es ist definitiv eine neue Möglichkeit sich zu platzieren mit der Möglichkeit der Selbstmoderation. Viele Firmen sind schon dabei und starten „Verkaufsräume“, laden Prominente dazu ein und locken Zuhörer. Hier wird langfristig vielleicht sogar ein neuer Beruf etabliert im Marketing / Bereich Kommunikation. Für uns bei PARCEL.ONE ist das keine Option, solange nur iPhone-User darauf zugreifen können. Android ist elementar und wichtig – auch wenn alle Apple-User das gerne anders hätten.

Bildquellen

  • Erika Stefan: Haufe Advisory
  • Parcel.WEB-2_Micha Augstein: Parcel.One
  • pexels-wendy-wei-1190298: pexels.com
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