KI-Influencer– wie erfolgreich sind sie wirklich?


KI-Influencer

Virtuelle Gesichter mit klaren Botschaften und scheinbar grenzenloser Verfügbarkeit: KI-Influencer tauchen auf Instagram, TikTok oder in Kampagnen großer Marken immer häufiger auf. Gesteuert von Algorithmen statt von Menschen. Für Marketing-Teams klingt das zunächst verlockend: volle Kontrolle über Inhalte, keine Skandale, keine Krankheitstage, keine Vertragsverhandlungen. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob KI-Influencer:innen technisch funktionieren, sondern, wie sie bei der Zielgruppe ankommen. Vor allem aus Marketing- und Vertrauensperspektive.

Genau dies fragt auch die aktuelle Studie der Macromedia Hochschule. Sie vergleicht die Wirkung von KI-generierten Influencer:innen mit der klassischer menschlicher Creator und liefert damit wertvolle Erkenntnisse für alle, die Influencer Marketing strategisch einsetzen wollen. Wir haben die Erkenntnisse der Studie für Dich zusammengefasst.

Was sind KI-Influencer überhaupt?

KI-Influencer sind digitale Persönlichkeiten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz, 3D-Modellen und automatisierten Content-Systemen erstellt werden. Sie posten Inhalte, interagieren mit Kommentaren und treten in Kampagnen auf, ohne real existierende Person im Hintergrund. Anders als Avatare in Games oder Metaverse-Anwendungen agieren sie bewusst in klassischen Social-Media-Umfeldern und werden dort als „Influencer“ inszeniert.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Nicht jeder virtuelle Charakter ist automatisch ein KI-Influencer. Erst wenn Content-Erstellung, Interaktion und Weiterentwicklung der Figur zumindest teilweise automatisiert erfolgen, spricht man wirklich von KI-Influencern.

Warum Marken auf KI-Influencer setzen

Aus Unternehmenssicht liegen die Vorteile auf der Hand. KI-Influencer sind planbar, skalierbar und vollständig steuerbar. Inhalte lassen sich exakt auf Markenbotschaften zuschneiden, Tonalität und Werte bleiben konsistent, Risiken durch unbedachte Aussagen oder persönliche Kontroversen entfallen nahezu vollständig. Gerade für internationale Kampagnen oder stark regulierte Branchen wirkt das wie ein attraktives Modell.

Hinzu kommt: KI-Influencer lassen sich theoretisch rund um die Uhr einsetzen, in verschiedenen Sprachen ausspielen und kurzfristig an neue Kampagnenziele anpassen. Aus Effizienzsicht erscheinen sie damit als logische Weiterentwicklung des Influencer Marketings.

Doch Marketing ist mehr als Effizienz. Und genau an diesem Punkt wird es spannend.

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Die Studie: KI vs. menschliche Influencer:innen

Die Untersuchung der Macromedia Hochschule geht bewusst über Reichweiten- oder Klickzahlen hinaus. Im Zentrum stehen psychologische und kommunikative Faktoren wie Vertrauen, Authentizität und Glaubwürdigkeit, also genau jene Aspekte, die Influencer Marketing ursprünglich so erfolgreich gemacht haben.

Das zentrale Ergebnis: KI-Influencer werden zwar als innovativ und aufmerksamkeitsstark wahrgenommen, schneiden jedoch in puncto Vertrauen und emotionaler Nähe deutlich schlechter ab als menschliche Influencer:innen. Besonders bei Empfehlungen, Meinungen oder erklärungsbedürftigen Produkten zeigt sich ein klarer Vorteil realer Personen.

Interessant ist auch die Differenzierung nach Zielgruppen. Jüngere Nutzer:innen reagieren offener auf KI-Influencer, bleiben aber skeptisch, wenn es um persönliche Einschätzungen oder glaubwürdige Erfahrungen geht. Die reine Präsenz einer künstlichen Figur reicht also nicht aus, um echte Bindung aufzubauen.

Vertrauen schlägt Technik

Eines der wichtigsten Learnings aus der Studie: Authentizität lässt sich nicht vollständig simulieren. Selbst wenn KI-Influencer menschlich wirken, perfekt formulieren und optisch überzeugen, fehlt ihnen ein entscheidender Faktor: echte Erfahrung. Nutzer:innen spüren sehr genau, ob hinter einer Empfehlung gelebte Praxis oder lediglich ein berechnetes Narrativ steckt.

Gerade im B2B-Kontext ist das relevant. Hier geht es selten um impulsive Kaufentscheidungen, sondern um Vertrauen, Kompetenz und langfristige Beziehungen. Eine KI kann Informationen ausspielen, aber keine Verantwortung übernehmen. Sie kann Prozesse erklären, aber keine persönliche Haltung entwickeln. Und sie kann schon gar nicht glaubhaft von eigenen Fehlern, Lernkurven oder Erfolgen berichten.

Wo KI-Influencer sinnvoll eingesetzt werden können

Trotz aller Kritik wäre es falsch, KI-Influencer pauschal abzulehnen. Die Studie zeigt vielmehr, dass ihr Erfolg stark vom Einsatzszenario abhängt. Besonders geeignet sind sie dort, wo:

  • Markenwelten aufgebaut oder visuell inszeniert werden

  • Aufmerksamkeit und Wiedererkennung im Vordergrund stehen

  • Produkte emotional, aber nicht erklärungsbedürftig sind

  • klare Kampagnenbotschaften ohne Dialogtiefe transportiert werden

Als digitale Markenfigur, Kampagnen-Gesicht oder ergänzendes Element können KI-Influencer durchaus funktionieren. Problematisch wird es dort, wo Vertrauen, Beratung oder persönliche Empfehlung gefragt sind.

KI-Influencer im Marketing-Mix – kein Ersatz, sondern Ergänzung

Für Marketing-Verantwortliche ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: KI-Influencer sollten nicht als Ersatz für menschliche Creator verstanden werden, sondern als ergänzendes Werkzeug. Sie können Prozesse unterstützen, Inhalte skalieren oder Kampagnen visuell anreichern. Die eigentliche Beziehung zur Zielgruppe entsteht jedoch weiterhin durch echte Menschen.

Gerade für B2B-Unternehmen lohnt sich ein hybrider Ansatz. Fachliche Inhalte, Meinungen und Erfahrungen bleiben bei realen Expert:innen. KI-gestützte Figuren können hingegen helfen, komplexe Themen visuell aufzubereiten oder Kampagnen konsistent auszuspielen.

Fazit: Erfolg braucht mehr als perfekte Algorithmen

KI-Influencer sind ein spannendes Phänomen – technologisch beeindruckend, strategisch interessant, kommunikativ aber begrenzt. Die Studie der Macromedia Hochschule macht deutlich: Erfolg im Influencer Marketing entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen. Und genau das lässt sich bislang nicht automatisieren.

Für Dich als Marketing-Verantwortliche:r bedeutet das: Prüfe genau, welches Ziel Du verfolgst. Geht es um Aufmerksamkeit, Inszenierung und Effizienz, können KI-Influencer ein sinnvoller Baustein sein. Geht es um Glaubwürdigkeit, Beziehung und nachhaltige Wirkung, bleiben menschliche Influencer:innen unverzichtbar.

Bildquellen

  • KI-Influencer: DALL-E
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