Virtuelle Influencer – das sollten Marketer über die neuen Influencer wissen


virtuelle influencer girl with glasses

Influencer Marketing ist gemeinsam mit Instagram groß geworden. Heute gibt es Millionen Influencer – alleine in Deutschland. Doch neben „echten“ Menschen, die für Produkte verschiedener Marken auf Social Media werben, gibt es einen neuen Trend: Virtuelle Influencer. Was aber sind virtuelle Influencer und was sollten Marketer über diese Form von Influencer Marketing wissen? Dieser Beitrag gibt Ihnen eine Übersicht.

Virtuelle Influencer – wer sind Lil Miquela und Co.?

Influencer Marketing ist laut dem Report „Social Media Trends 2022″, über den wir in diesem Beitrag näher berichten, erwachsen geworden und zählt zu den wichtigsten Bausteinen für ein erfolgreiches Marketing. Mittlerweile verlässt sich fast jede:r zweite Verbraucher:in vor dem Kauf auf Influencer-Empfehlungen, der ROI ist deutlich besser, als noch zu Anfang des Influencer Marketings. Doch wie in nahezu allen Marketing-Bereichen steht auch das Influencer Marketing natürlich nicht still und entwickelt sich weiter. Die neueste Entwicklung sind sogenannte virtuelle Influencer (engl. virtual influencer). Auf Instagram finden sich bereits einige dieser virtuellen Persönlichkeiten. Zu den Top 10 der virtuellen Influencer gehört beispielsweise Lil Miquela (Platz zwei im Ranking 2021). Was aber macht einen virtuellen Influencer aus?

Der Virtuelle Influencer ist, wie der Name bereits sagt, eine virtuelle und vor allem fiktive Person. Der virtuelle Mensch wird in der Regel am Computer mithilfe von Computer-Grafiken und Motion-Capture-Technologie generiert. Aussehen, Persönlichkeit, Hintergrundstory, Posts: Alles wird für Marketingzwecke entwickelt. Ihren Ursprung haben die virtuellen Influencer in der japanischen Anime- und Idol-Kultur. Die mitunter zunehmende Beliebtheit der fiktiven Personen wurde 2016 auf Instagram genutzt: Lil Miquela startete vor rund sechs Jahren auf der Social Media Plattform als erster virtueller Influencer. Das Unternehmen hinter dem Avatar: Das Technologie-Start-up Brud aus Los Angeles. Die meisten virtuellen Influencer werden von kleinen Digital- und Kreativagenturen wie Brud entwickelt.

Seit Lil Miquela sich 2018 als digital erzeugte Influencerin bekannt hat, ist die Zahl der virtuellen Influencer gestiegen, auch wenn sie bisher noch überschaubar bleibt. HypeAuditor hat für die Top 10-Liste insgesamt 88 Avatare und deren Profile analysiert. Der Trend zeigt allerdings, dass die künstlich erzeugten Avatare in Zukunft eine bedeutendere Rolle im Marketing spielen dürften.

Follower sind hauptsächlich junge Menschen

Einer der Gründe: Die meisten Follower der digitalen Menschen sind junge Social Media-Nutzer:innen, hauptsächlich zwischen 18 und 34 Jahren, wie aus der Analyse von HypeAuditor hervorgeht. Und das, obwohl eine Umfrage von OMD unter 1.005 Menschen herausfand, dass eher ältere User den virtuellen Influencern mehr Vertrauen schenken und ihnen eine gleich hohe Glaubwürdigkeit zusprechen, wie echten Influencern.  Bei den 18- bis 30-Jährigen gaben noch mehr als die Hälfte der Befragten an, dass echte Personen als Influencer glaubwürdiger wären. Im Alterssegment über 30 Jahren waren es dagegen nur noch 39 Prozent. Die Diskrepanz zwischen der Altersstruktur der Follower und der gefühlten Glaubwürdigkeit zeigt auch, welche Herausforderungen Unternehmen meistern müssen, wenn sie die Avatare in ihrem Marketing nutzen möchten.

virtuelle influencer lilmiquela instagram profil
Profil von der virtuellen Influencerin Lil Miquela.

Glaubwürdigkeit virtueller Influencer als zentrale Herausforderung im Marketing

Mangelnde Authentizität und damit auch Glaubwürdigkeit sind eine der größten Herausforderungen beim Einsatz virtueller Influencer. Social Media-User fragen sich einfach, warum sie einer Persönlichkeit vertrauen sollten, die rein auf einer digitalen Storyline beruht. Die Skepsis ist nicht unberechtigt, denn grundsätzlich können Unternehmen virtuelle Influencer natürlich wesentlich besser steuern, als Menschen in der realen Welt. Das Influencer Marketing lebt nun einmal aber vom Vertrauensverhältnis zwischen Influencern und Followern. Eine emotionale Beziehung ist das A und O. Und genau die müssen Unternehmen auch zwischen virtuellen Influencern und deren Followern aufbauen. Doch wie gelingt es, den Avataren eine glaubwürdige Persönlichkeit zu geben und eine emotionale Bindung zu der Community herzustellen?

Was sollten Unternehmen bei virtuellen Influencern beachten?

Die Glaubwürdigkeit eines virtuellen Influencers oder einer virtuellen Influencerin basiert maßgeblich auf ihrer Persönlichkeit und Nahbarkeit. Daher sollten Unternehmen folgende Punkte berücksichtigen, wenn sie mit virtuellen Influencern zusammenarbeiten wollen:

  1. Virtuelle Influencer zeigen Menschlichkeit: Aussehen und Charakterzüge, wie sie in der realen Welt vorkommen, sind elementarer Bestandteil für einen glaubwürdigen Avatar. Beim Thema Aussehen sorgen virtuelle Influencer aber natürlich auch immer wieder für Diskussionen. Der Grund sind die teils erheblich unrealistische Schönheitsideale. Was dabei allerdings auch zu berücksichtigen ist: Ein Großteil der Instagrammer:innen bearbeitet eigene Fotos bereits derart stark, dass auch hier die Grenzen zwischen echten und virtuellen Menschen verschwimmen.
  2. Virtuelle Influencer veröffentlichen authentische Bilder und Posts: Glaubwürdigkeit entsteht auch durch das, was veröffentlicht wird. Authentische Bilder und Posts, in denen die virtuellen Influencer mal nicht „perfekt“ wirken, sind wichtig, damit sich Follower mit ihnen identifizieren können. Andernfalls wirken die Avatare unnahbar. Zudem ist es wichtig, starke und interessante Geschichten mit den Avataren zu inszenieren, um Social Media-Nutzer:innen zu begeistern.
  3. Virtuelle Influencer interagieren regelmäßig mit ihrer Community: Authentische Bilder und Posts sind aber nur ein Aspekt. Darüber hinaus sollte eine regelmäßige Interaktion zwischen dem Avatar und dessen Followern stattfinden. Nur so ist es möglich, eine emotionale Bindung aufzubauen, die für die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen entscheidend sind.

Beachten Unternehmen diese drei Punkte, kann die Zusammenarbeit mit virtuellen Influencern einige Vorteile bieten, die wir näher erläutern.

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Profil von der virtuellen Influencerin Lu do Magul.

Vorteile der Avatare auf Instagram und anderen Plattformen

Virtuelle Influencer sind Kunstfiguren. Und als solche können sie von Unternehmen natürlich so angepasst werden, dass sie zum Unternehmensimage passen. Das geht allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, bevor die Authentizität und Glaubwürdigkeit des Avatars verloren geht. Es gibt jedoch auch Vorteile, die nicht so sehr an die konkrete Entwicklung des virtuellen Influencers gebunden sind, sondern allgemein mit einer Kunstfigur einhergehen:

  • Vielseitig einsetzbar: Virtuelle Influencer lassen sich problemlos für verschiedene Marketing-Aktivitäten einsetzen. Durch die rein digitale Aufbereitung von Inhalten, sind Aussehen, Location und viele andere Parameter frei wählbar. Einzige Voraussetzung, damit der Avatar auch Vertrauen und Glaubwürdigkeit schafft: Die Authentizität muss, wie bereits erwähnt, bei Posts und Interaktionen gewahrt bleiben.
  • Zielgruppengenau: Einen virtuellen Influencer können Unternehmen sehr gut auf die jeweilige Zielgruppe – die gewünschten Follower – abstimmen.
  • Ein Gesicht für eine Marke: Einer der größten Vorteile von virtuellen Influencern ist: Anders, als reale Influencer, können Unternehmen mit einen Avatar auch lediglich eine Marke bewerben. In Zusammenarbeit mit echten Menschen, ist das wesentlich schwieriger bis unmöglich umzusetzen. Übrigens: Wie Sie echte Influencer für Ihr Marketing finden, erklären wir Ihnen in unserem Wissensbeitrag.
  • Große Reichweite: Auch virtuelle Influencer weisen eine ähnlich hohe Reichweite wie menschliche Influencer auf. Der Avatar Lu do Magul etwa zählt, Stand Juli 2022, 5,9 Millionen Follower auf Instagram und belegt damit Platz 1 im Ranking virtueller Influencer.
  • Bessere Kontrolle: Einer der größten Vorteile für Unternehmen ist die bessere Kontrolle über virtuelle Influencer. Kein Wunder, da alle Aktivitäten inszeniert sind. Risikofaktoren, wie etwa unbedachte Handlungen oder Äußerungen, die die Kooperation gefährden könnten, werden so ausgeschlossen. Allerdings ist auch die Gratwanderung zwischen Authentizität und Inszenierung wesentlich schwieriger.

Mehr als nur ein kurzfristiger Trend

Mit virtuellen Influencern haben sich neue Möglichkeiten im Influencer Marketing ergeben. Natürlich lassen sich längst nicht alle Marken und Produkte mit den Avataren perfekt vermarkten. Ehrliche Produktreviews sind beispielsweise nicht sinnvoll umsetzbar. Wie Sie dagegen aber Produktbewertungen richtig managen und zu Ihrem Vorteil nutzen können, erfahren Sie in unserem Whitepaper „Wie gelingt Review Management“. Dennoch stehen die Zeichen für virtuelle Influencer vielmehr auf Wachstum, als auf einen kurzfristigen Trend. Mittlerweile gibt es auch hier sowohl Mikro-, Midi- als auch Makro-Influencer. Ein weiteres Argument für virtuelle Influencer dürfte das Thema Metaverse sein. Im Metaverse Marketing können die Avatare ein wichtiges Bindeglied zwischen realer und virtueller Welt werden.

Wer als Unternehmen virtuelle Influencer ins Marketing einbinden möchte, kann sich damit durchaus als Vorreiter positionieren. Aufmerksamkeit ist ihnen in der Regel gewiss. Gerade in Deutschland sind sie noch lange nicht so verbreitet, wie in Asien und auch teilweise bereits in den USA. Allerdings sollten Marketer dabei auch beachten, dass die Avatare im Gesamtbild zu den Unternehmenswerten und zur Unternehmenskommunikation passen. Darüber hinaus ist die Planung und Produktion zeit- und kostenintensiv und damit nicht für jedes Unternehmen gleichermaßen eine Option. Mitunter können menschliche Influencer sehr kurzfristig in Kooperationen eingebunden werden und bieten so derzeit noch mehr Flexibilität. Nichtsdestoweniger bleiben virtuelle Influencer ein Thema, das tendenziell mehr an Bedeutung gewinnt und so für Marketers eine interessante Marketing-Maßnahme sein können.

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