Virtuelle Influencer:innen – das sollten Marketer über die neuen Creator wissen


virtuelle Influencer Marketing

Mit dem rasanten Aufstieg Instagrams ist auch das Influencer Marketing groß geworden. Heute gibt es Millionen Influencer:innen – alleine in Deutschland, wenn man dabei auch Micro-Influencer:innen mitzählt. Doch neben „echten“ Menschen, die für Produkte verschiedener Marken auf Social Media werben, gibt es einen neuen Trend: Virtuelle Influencer:innen. Was aber sind virtuelle Creator und was sollten Marketer über diese Form von Influencer Marketing wissen? In diesem Beitrag geben wir Dir eine Übersicht. 

Virtuelle Influencer:innen – wer sind Lil Miquela und Co.?

Influencer Marketing bzw. Creator-Content zählt heute zu den wichtigsten Bausteinen für ein erfolgreiches Marketing. Das zeigt sich auch im aktuellen Report „State of Social Media“ von Meltwater. Mittlerweile verlässt sich fast jede:r zweite Verbraucher:in vor dem Kauf auf Empfehlungen der Internetpersönlichkeiten. Der ROI ist deutlich besser, als noch zu Anfang des Influencer Marketings. Doch wie nahezu alle Marketing-Bereiche steht auch dieses natürlich nicht still und entwickelt sich weiter. Als Marketer muss man die wichtigsten Influencer Marketing Trends wie auch allgemeine Social Media Trends und die Plattformen, die für die eigene Strategie essentiell sind, kennen. Eine der spannendsten Entwicklungen sind in jedem Fall die sogenannten virtuellen Influencer:innen (engl. virtual influencer). Auf Instagram finden sich bereits einige dieser digitalen Persönlichkeiten. Zu den bekanntesten gehört beispielsweise Lil Miquela. Was aber macht eine:n virtuelle:n Influencer:in aus?

Virtuelle Creator sind, wie der Name bereits sagt, virtuelle und vor allem fiktive Personen. Sie werden in der Regel am Computer mithilfe von Computer-Grafiken und Motion-Capture-Technologie generiert. Aussehen, Persönlichkeit, Hintergrundstory, Posts: Alles wird für Marketingzwecke entwickelt. Ihren Ursprung haben sie in der japanischen Anime- und Idol-Kultur. Die mitunter zunehmende Beliebtheit der fiktiven Personen wurde 2016 auf Instagram genutzt: Lil Miquela startete vor mittlerweile acht Jahren auf der Social Media Plattform als erste virtuelle Influencerin. Das Unternehmen hinter dem Avatar: Das Technologie-Start-up Brud aus Los Angeles. Die meisten virtuellen Influencer:innen werden von kleinen Digital- und Kreativagenturen wie Brud entwickelt.

Seit Lil Miquela sich 2018 als digital erzeugte Influencerin bekannt hat, ist die Zahl der virtuellen Creator gestiegen. Und mit der Verbreitung von KI-generierten Inhalten in den letzten Jahren stieg diese Zahl noch einmal. HypeAuditor hat in einer Liste die Top 20 der virtuellen Influencer:innen weltweit analysiert und dabei auch ein Auge auf gelungene und misslungene Werbepartnerschaften geworfen. Auch wenn einige der Influencer:innen in diesem Report an Follower:innen verloren haben, der Trend zeigt, dass die künstlich erzeugten Avatare in Zukunft eine noch bedeutendere Rolle im Marketing spielen dürften. Deswegen gilt es auch die aktuellen Charts und Trends der virtuellen Influencer-Szene zu verfolgen.

Follower:innen sind hauptsächlich junge Menschen

Einer der Gründe: Die meisten Follower:innen digitaler Menschen sind junge Social Media-Nutzer:innen, hauptsächlich zwischen 18 und 34 Jahren, wie aus der Analyse von HypeAuditor hervorgeht. Und das, obwohl eine Umfrage von OMD unter 1.005 Menschen herausfand, dass eher ältere User:innen den virtuellen Influencer:innen mehr Vertrauen schenken und ihnen eine gleich hohe Glaubwürdigkeit zusprechen, wie echten Influencer:innen. Bei den 18- bis 30-Jährigen gaben noch mehr als die Hälfte der Befragten an, dass echte Personen als Influencer:innen glaubwürdiger wären. Im Alterssegment über 30 Jahren waren es dagegen nur noch 39 Prozent. Die Diskrepanz zwischen der Altersstruktur der Follower:innen und der gefühlten Glaubwürdigkeit zeigt auch, welche Herausforderungen Unternehmen meistern müssen, wenn sie die Avatare in ihrem Marketing nutzen möchten.

virtuelle Influencerin Lil Miquela
Profil der virtuellen Influencerin Lil Miquela

Glaubwürdigkeit virtueller Influencer:innen als zentrale Herausforderung im Marketing

Mangelnde Authentizität und damit auch Glaubwürdigkeit sind die größten Herausforderungen beim Einsatz virtueller Internetpersönlichkeiten. Social Media-User:innen fragen sich natürlich, warum sie einer Person vertrauen sollten, die rein auf einer digitalen Storyline beruht. Die Skepsis ist nicht unberechtigt, denn grundsätzlich können Unternehmen virtuelle Influencer:innen natürlich wesentlich besser steuern, als Menschen in der realen Welt. Das Influencer Marketing lebt nun einmal aber vom Vertrauensverhältnis zwischen Influencenden und Follower:innen. Eine emotionale Beziehung ist das A und O. Und genau die müssen Unternehmen auch zwischen virtuellen Pendants und deren Followerschaft aufbauen. Doch wie gelingt es, den Avataren eine glaubwürdige Persönlichkeit zu geben und eine emotionale Bindung zur Community herzustellen?

Was sollten Unternehmen bei virtuellen Influencer:innen beachten?

Die Glaubwürdigkeit eines virtuellen Influencers oder einer virtuellen Influencerin basiert maßgeblich auf der Persönlichkeit und Nahbarkeit. Daher sollten Unternehmen folgende Punkte berücksichtigen, wenn sie mit virtuellen Influencenden zusammenarbeiten wollen:

  1. Virtuelle Persönlichkeiten zeigen Menschlichkeit: Aussehen und Charakterzüge, wie sie in der realen Welt vorkommen, sind elementarer Bestandteil für einen glaubwürdigen Avatar. Beim Thema Aussehen sorgen virtuelle Influencer:innen aber natürlich auch immer wieder für Diskussionen. Der Grund sind die teils wirklich unrealistischen Schönheitsideale. Was dabei allerdings auch zu berücksichtigen ist: Ein Großteil der Instagrammer:innen bearbeitet eigene Fotos bereits derart stark, dass auch hier die Grenzen zwischen echten und virtuellen Menschen verschwimmen.
  2. Virtuelle Influencer:innen veröffentlichen authentische Bilder und Posts: Glaubwürdigkeit entsteht auch durch das, was veröffentlicht wird. Authentische Bilder und Posts, in denen die virtuellen Personen mal nicht „perfekt“ wirken, sind wichtig, damit sich Follower:innen mit ihnen identifizieren können. Andernfalls wirken die Avatare unnahbar. Zudem ist es wichtig, starke und interessante Geschichten mit den Avataren zu inszenieren, um Social Media-Nutzer:innen zu begeistern.
  3. Virtuelle Influencer:innen interagieren regelmäßig mit ihrer Community: Authentische Bilder und Posts sind aber nur ein Aspekt. Darüber hinaus sollte eine regelmäßige Interaktion zwischen dem Avatar und dessen Follower:innen stattfinden. Nur so ist es möglich, eine emotionale Bindung aufzubauen, die für die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen entscheidend sind.

Beachten Unternehmen diese drei Punkte, kann die Zusammenarbeit mit virtuellen Persönlichkeiten einige Vorteile bieten, die wir näher erläutern.

virtuelle Influencerin Lu do Magalu
Profil der virtuellen Influencerin Lu do Magalu

Vorteile der Avatare auf Instagram und anderen Plattformen

Virtuelle Influencer:innen sind Kunstfiguren. Und als solche können sie von Unternehmen natürlich so angepasst werden, dass sie zum Unternehmensimage passen. Das geht allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, bevor die Authentizität und Glaubwürdigkeit des Avatars verloren geht. Es gibt jedoch auch Vorteile, die nicht so sehr an die konkrete Entwicklung der virtuellen Persönlichkeit gebunden sind, sondern allgemein mit einer Kunstfigur einhergehen:

  • Vielseitig einsetzbar: Virtuelle Influencer:innen lassen sich problemlos für verschiedene Marketing-Aktivitäten einsetzen. Durch die rein digitale Aufbereitung von Inhalten, sind Aussehen, Location und viele andere Parameter frei wählbar. Einzige Voraussetzung, damit der Avatar auch Vertrauen und Glaubwürdigkeit schafft: Die Authentizität muss, wie bereits erwähnt, bei Posts und Interaktionen gewahrt bleiben.
  • Zielgruppengenau: Die virtuelle Persönlichkeit können Unternehmen sehr gut auf die jeweilige Zielgruppe – die gewünschten Follower – abstimmen.
  • Ein Gesicht für eine Marke: Einer der größten Vorteile von virtuellen Influencer:innen ist: Anders, als reale Content Creators, können Unternehmen mit einen Avatar auch lediglich eine Marke bewerben. In Zusammenarbeit mit echten Menschen, ist das wesentlich schwieriger bis unmöglich umzusetzen. Übrigens: Wie Du echte Influencer:innen für Dein Marketing findest, erklären wir Dir in unserem Beitrag.
  • Große Reichweite: Auch virtuelle Influencer:innen weisen eine ähnlich hohe Reichweite wie menschliche Influencende auf. Der Avatar Lu do Magalu etwa zählt, Stand März 2024, 6,8 Millionen Follower auf Instagram und ist damit eine der beliebtesten virtuellen Influencer:innen weltweit.
  • Bessere Kontrolle: Einer der größten Vorteile für Unternehmen ist die bessere Kontrolle über virtuelle Personen. Kein Wunder, da alle Aktivitäten inszeniert sind. Risikofaktoren, wie etwa unbedachte Handlungen oder Äußerungen, die die Kooperation gefährden könnten, werden so ausgeschlossen. Allerdings ist auch die Gratwanderung zwischen Authentizität und Inszenierung wesentlich schwieriger.

Mehr als nur ein kurzfristiger Trend

Mit virtuellen Internetpersönlichkeiten haben sich neue Möglichkeiten im Influencer Marketing ergeben. Natürlich lassen sich längst nicht alle Marken und Produkte mit den Avataren perfekt vermarkten. Ehrliche Produktreviews sind beispielsweise nicht sinnvoll umsetzbar. Wie Du Produktbewertungen richtig managen und zu Deinem Vorteil nutzen kannst, erfährst Du in unserem Whitepaper „Wie gelingt Review Management“. Dennoch stehen die Zeichen für virtuelle Influencer:innen mehr auf Wachstum, als auf einen kurzfristigen Trend. Mittlerweile gibt es auch hier sowohl Mikro-, Midi- als auch Makro-Influencenden. Ein weiteres Argument für virtuelle Influencer:innen dürfte das Thema Metaverse sein. Dieses hat sich aktuell zwar noch nicht in unserem Alltag etabliert, kann aber mit der Veröffentlichung von Apples Vision Pro in diesem Jahr durchaus weiter wachsen. Im Metaverse Marketing können die Avatare ein wichtiges Bindeglied zwischen realer und virtueller Welt werden.

KI-Entwicklung sorgt für mehr virtuelle Creator

Mit der rasanten Entwicklung von künstlicher Intelligenz in den letzten Jahren wurde es immer einfacher, Bilder, Videos und Texte generieren zu lassen. Das sorgt auch für eine ganze Welle neuer virtueller Influencer:innen auf Instagram, TikTok und Co.. Nutzer:innen merken hier manchmal gar nicht, dass es sich bei den jeweiligen Creatorn um AI-Charaktere handelt, selbst wenn das in der Bio des Instagram-Profils angegeben wird. Ein gefährlicher Trend, der die unrealistischen Schönheitsideale, welche teilweise durch Social Media propagiert werden, noch verstärken könnte. Dennoch, die Strategie funktioniert und viele der KI-generierten Creator gewinnen schnell an Follower:innen: So erreicht Aitana Lopez, eine im letzten Jahr erstellte virtuelle Influencerin der Agentur „The Clueless“ aus Barcelona bereits über 300.000 User. Die Agentur spezialisiert sich sogar auf die Gestaltung von AI Models und folgt mit deren Optik nach eigenen Angaben nur dem, was von der realen Welt vorgegeben wird. Erstellt man selbst einen solchen Avatar, sollte man in jedem Fall eindeutig angeben, dass es sich um einen AI-Charakter handelt und außerdem darauf achten, dass er oder sie zum Unternehmen und dessen Werten passt.

Fazit: Mit virtuellen Influencer:innen als Vorreiter positionieren

Wer als Unternehmen virtuelle Persönlichkeiten ins Marketing einbinden möchte, kann sich damit durchaus noch als Vorreiter positionieren. Aufmerksamkeit ist Dir damit in der Regel gewiss. Gerade in Deutschland sind sie noch lange nicht so verbreitet, wie in Asien und teilweise bereits in den USA. Allerdings sollten Marketer dabei auch beachten, dass die Avatare im Gesamtbild zu den Unternehmenswerten und zur Unternehmenskommunikation passen müssen. Darüber hinaus ist die Planung und Produktion zeit- und kostenintensiv und damit nicht für jede Firma gleichermaßen eine Option. Mitunter können menschliche Influencer:innen sehr kurzfristig in Kooperationen eingebunden werden und bieten so derzeit noch mehr Flexibilität. Trotzdem bleiben virtuelle Personen ein Thema, das tendenziell mehr an Bedeutung gewinnt und so für Marketers eine interessante Werbemaßnahme sein können.

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Bildquellen

  • virtuelle Influencer: Dall-E
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