Künstliche Intelligenz – Vorteile und Risiken für die redaktionelle Arbeit

Was vor einiger Zeit noch als weit hergeholter Stoff für Hollywood und die Entertainmentindustrie diente und die Basis für Filmklassiker wie zum Beispiel A. I. – Künstliche Intelligenz bildete, wird nun seit Jahren immer mehr zur Realität im Alltag und im Job. Künstliche Intelligenz hat sich in den letzten Jahrzehnten so weit entwickelt, dass sie mittlerweile viele menschliche Wahrnehmungs- und Handelsprozesse nachbilden kann. In immer mehr Branchen werden menschliche Arbeitsprozesse erfolgreich durch Maschinen und Programme ergänzt oder sogar ersetzt – auch im Journalismus und in der Redaktionsarbeit. Doch welche Vorteile bringt die Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag einer Redaktion? Was sind mögliche Risiken? Und worauf sollten Redaktionen und Content-Manager bei der Entscheidung für oder gegen KI achten?

Besonders in den letzten drei Jahren verzeichnete die Entwicklung von KI-Systemen immer mehr Erfolge bei der Integration in die Redaktionsarbeit. Bloomberg News, Forbes oder die Times – große Medienunternehmen haben Künstliche Intelligenz bereits in verschiedenste Aufgabenbereiche ihrer Redaktionen mit eingebunden. Von Rechtschreibüberprüfungen über persönliche Datenanalyse und individuelle Empfehlungen an den Leser bis hin zum Verfassen von Artikeln – neueste KI-Tools verändern nachhaltig die Art und Weise, wie News verfasst und verbreitet werden.

Hinter Finanzberichten stecken Bots

Bloomberg als einer der Vorreiter nutzt das Programm Cyborg, um Finanzberichte und numerische Fakten in verständlichen Nachrichten-Content umzuwandeln. Tatsächlich werden immer mehr finanzbezogene Inhalte von Bots erstellt und veröffentlicht. Neben Bloomberg setzt auch die Washington Post ihr Robot Reporting Program Heliograf ein, um aktuelle Finanztrends zu analysieren und kurze Nachrichtenartikel zu verfassen. Alleine im ersten Jahr nach dem Launch des Programms hat das automatisierte Schreibsystem insgesamt 850 Artikel verfasst, verarbeitet und veröffentlicht.    

Aber auch die Medienwelt außerhalb der Finanznachrichten macht Gebrauch von den neuesten KI-Tools, um besser auf die Bedürfnisse und individuellen Wünsche ihrer Leser und Endkonsumenten eingehen zu können. In Großbritannien haben die Times und die Sunday Times einen Analyseservice namens James entwickelt, welcher Lesegewohnheiten analysiert und dem Leser basierend auf diesen Daten individuelle Empfehlungen geben kann.

KI – immer noch als Trend zu sehen?

Trotz dieser Erfolge bei der Integration Künstlicher Intelligenz in den Redaktionsalltag stehen viele Redaktionen diesem Trend noch argwöhnisch gegenüber, nicht zuletzt aus Angst vor Stellenabbau und Qualitätsverlust. Befürworter hingegen sind vom Gegenteil überzeugt. Die Entscheidung für KI solle nicht Journalisten und Redaktionsmitarbeiter ersetzen, sondern ihnen Zeit schenken und als Support dienen. Während sie Datenanalyse oder das Verfassen von kürzeren, faktischen Nachrichten an Bots weitergeben könnten, hätten die Reporter mehr Zeit, sich auf akkuraten Content und Storytelling zu konzentrieren. Darüber hinaus berichten Times, Bloomberg und Co. über die durchaus gute Qualität der automatisierten Schreib- und Textgenerierungssystemen. Neben Sachlichkeit, richtigem Satzbau und Terminologie könnten die Systeme auch hinsichtlich abwechslungsreicher Formulierungen punkten.

Nichtsdestotrotz liegen Kreativität und Intellektualität stets in den Händen der Reporter und Journalisten. Auch wenn Künstliche Intelligenz im Redaktionsalltag hilfreich sein kann, können ihre Arbeitsprozesse nicht mit denen der Reporter gleichgestellt und komplexere Themen von ihnen noch nicht erarbeitet werden. Hinzu kommen Technik- und Verarbeitungsfehler.

Neben den oben genannten Risiken gibt es weitere Faktoren, die bei der Entscheidungsfrage für oder gegen KI zu beachten sind. Zum einen müssen Inhalte so optimiert sein, dass sie für KI-Systeme lesbar und bearbeitbar sind. Somit fällt mehr Arbeit an als nur die Optimierung von Inhalten hinsichtlich SEO. Zum anderen sind Redaktionen auf passende Datenbanken angewiesen, die die Künstliche Intelligenz durchsuchen und passende Inhalte filtern kann.

Fazit

Obwohl Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren einige wichtige und hilfreiche Entwicklungen im Redaktionsalltag verzeichnen konnte, lässt sich zusammenfassen, dass viele Technologien den Erwartungen noch nicht gerecht werden. Bots sowie automatisierte Schreib- und Textgenerierungssysteme können zwar bei der Bearbeitung von faktischen und numerischen Daten hilfreich sein, sind jedoch noch nicht so weit entwickelt, dass sie komplexere Themen übernehmen könnten. Nichtsdestotrotz können KI-Tools von Vorteil sein, wenn es um die Analyse von Lesegewohnheiten geht und darum, persönliche Trends aufzustellen. Kleinere Themen und Artikel können schnell und qualitativ verfasst und bearbeitet und News in einer höheren Reichweite verbreitet werden. Alles in allem kann Künstliche Intelligenz auf dem heutigen Stand als Supporting-Tool dienen, um Redakteuren Zeit zu sparen und ihnen zu ermöglichen, sich auf wichtige Themen und relevantes Storytelling zu konzentrieren. Eine tiefergehende Einbindung in die redaktionelle Arbeit ist aus technischer Sicht jedoch noch als riskant einzuschätzen.

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