webXpert-Gründer im Interview: „Wenn es nicht interaktiv ist, muss es nicht live sein“


webXpert Konferenzraum

Die webXpert Conference ist eines der wichtigsten Community-Events der Digitalbranche. Seit 2017 widmet sich die Veranstaltung dem Austausch zwischen verschiedenen Usergroups und Softwareherstellern. Seit der erstmaligen webXpert Conference hat sich Vieles verändert. contentmanager.de sprach mit den beiden Gründern und Vorstandsvorsitzenden Dirk Langenheim und Ulrich Weiß. 

Unter dem Namen webXpert Conference finden unabhängige Usergroups seit 5 Jahren jährlich zusammen. Im Mittelpunkt steht der Austausch mit Softwareherstellern rund um Marketing Technologien. In diesem Jahr fand die webXpert am 10. und 16. November in jeweils 3-stündigen Community-Treffen statt. Das Ziel: gemeinsam über den Tellerrand hinaus schauen und wichtige Themen aus der Digitalbranche vorantreiben. Auf dem Event sind dabei Anwender von CMS-Lösungen genauso vertreten, wie User von DXP- und DAM-Anwendungen. 2021 fand die webXpert wieder statt, nachdem sie im Vorjahr pandemiebedingt erstmalig ausgesetzt wurde. Im Interview mit contentmanager.de blicken die beiden Gründer und Vorstandsvorsitzenden der webXpert auf die Entwicklung der Veranstaltung zurück. Sie sprechen über wichtige Entwicklungen im Content Management sowie die zentralen Ergebnisse der diesjährigen Veranstaltung.

Vom Sprachrohr zum übergreifenden Austausch

contentmanager.de: Herr Langenheim, Herr Weiß: Die webXpert besteht seit 2017. Wie aber ist es zur Entwicklung der des Formats gekommen? 

Ulrich Weiß: Vor der webXpert hatten wir nur den Austausch zwischen Softwarehersteller und Usergroup innerhalb der OpenText Web Solutions Usergroup. Allerdings stellten wir vor fünf Jahren fest, dass sich die Bedingungen rund um Marketing Technologien verändert haben. Herausforderungen waren nicht mehr herstellerspezifisch, weil mittlerweile viele Software-Lösungen vergleichbar sind. Dafür traten neue Aspekte in den Vordergrund wie etwa die Verknüpfung einzelner Komponenten in einem Ökosystem und deren Austauschbarkeit. Das erforderte ein Umdenken. Wir brauchten ein Format, das den herstellerunabhängiger gestaltet und neue Usergroups bedient. Mittlerweile sind es nicht mehr monolithische Softwarelösungen, die Unternehmen und Usergroups wichtig sind. Sie haben erkannt, dass diese nicht funktionieren.

Dirk Langenheim: In der Community zeigte sich oft das Problem, dass User im Austausch eingeschränkt wurden, sobald sie andere Tools einsetzten. Mit der webXpert haben wir dieses Problem behoben. Usergroups sind heute nicht mehr nur ein Sprachrohr zu den einzelnen Softwareherstellern, sondern fordern einen disziplin- und Technologieübergreifenden Austausch. Die webXpert bietet einen neutralen Raum für User und Hersteller, um sich über technologische und allgemeine Entwicklungen im Bereich Marketing Technologie auszutauschen. Auf der Veranstaltung werden mitunter Verbindungen zwischen Usern und Dienstleistern aufgebaut, die seit Jahren halten. Ohne, dass es eine kaufmännische Beziehung gibt.

Real-Life-Forum mit Expertenwissen, Entscheidungshilfen, Inspiration und Austausch

contentmanager.de: Welches Format bietet die webXpert Anwendern und Herstellern damit nun? 

Dirk Langenheim: Die webXpert besteht aus drei Usergroups, die jeweils herstellerunabhängige, eingetragene Vereine sind. Das sind die OpenText Web Solutions Usergroup, die E-Spirit Usergroup und die CELUM Usergroup. Innerhalb der Usergroups werden herstellerspezifische Themen besprochen. Auf der webXpert findet aber selbstredend auch der übergeordnete Austausch zu wichtigen Themen und Fragen der Communities.

Ulrich Weiß: Die Veranstaltung richtet sich dabei an Softwarehersteller, Entscheider, Projektmanager, Software-Architekten, Entwickler, Verantwortliche und Betreiber anspruchsvoller Online-Plattformen. Wir wollen Unternehmen und Usergroups mit dem Real-Life-Forum relevantes Experten- und Hintergrundwissen, Entscheidungshilfen, Inspiration und Austausch bieten. Immer im Fokus eine herstellerunabhängige Organisation von Anwendern und Dienstleistern, um das Networking und den Wissenstransfer zu fördern. Ziel ist es, jedem Teilnehmer die Möglichkeit zu bieten über den Horizont der eigenen Projekte, Produkte und Lösungen zu blicken.

contentmanager.de: Was macht die Veranstaltung besonders?

Dirk Langenheim: Wir bieten sowohl Vorträge, als auch Diskussionsrunden und Break-Outs mit praxisorientierten Inhalten für digitale Projekte mit Erfahrung aus über 50 gleichartigen Veranstaltungen. Der Kontakt mit führenden Herstellern, kompetenten Partnern und der Dialog mit unseren Teilnehmern bildet dabei die Basis für fundierte Entscheidungen und Lösungsansätze. Zudem ist uns die Interaktivität bei der webXpert besonders wichtig.

Live-Event braucht Interaktivität – keinen Monolog

contentmanager.de: Sie sprechen gerade die Bedeutung von Interaktivität an. Wie sieht das – gerade auch im Zuge der Pandemie – bei der webXpert aus?

Ulrich Weiß: 2021 haben wir natürlich pandemiebedingt umplanen müssen. Der persönliche Kontakt vor Ort war nicht möglich. Dennoch wollten wir weiterhin den interaktiven Austausch weiter beibehalten. Daher haben wir uns dafür entschieden, Vorträge vorab aufzuzeichnen und Teilnehmern zur Verfügung zu stellen. An den beiden Veranstaltungstagen gab es daher nur noch eine kurze Summary der Vorträge. Die Teilnehmer konnten direkt in die Diskussion und den Austausch starten.

Dirk Langenheim: Ich erinnere mich noch an die ersten drei Veranstaltungen. Diese waren eher noch klassisch. Zwar mit interaktiven Blöcken, aber auch den bekannten Vortragsblöcken. Sicherlich waren diese webXpert Events auch interaktiver, als manches andere Format, weil einfach der Teilnehmerkreis mit rund 120 Personen relativ klein ist. Dann kam die Pandemie und wir standen vor der Herausforderung, die Interaktivität auch virtuell zu bewahren. 2020 hatten wir daher die webXpert ausgesetzt, um diesem Anspruch mit einem guten Konzept gerecht zu werden. Wir wollten keinen „Beschallungscharakter“, wie er in vielen Webinaren die Regel ist. Für 2021 haben wir daher keinen ganzen Tag, sondern nur zwei kurze, intensive Einheiten von drei Stunden entwickelt. Mit dem Fokus auf den gegenseitigen Austausch. Unsere Prämisse war: Wenn es nicht interaktiv ist, muss es nicht live sein.

Ulrich Weiß: Das Feedback unserer Teilnehmer war dabei sehr positiv. Wir haben dann auch schnell gemerkt: Die virtuelle Plattform sollten wir als Chance verstehen – für uns und die Community. Vor der Pandemie haben wir uns immer gegen ein hybrides Event oder einen Stream entschieden. Das Feedback der Teilnehmer und unsere eigenen Erfahrungen zeigen uns aber, dass der hybride Ansatz funktioniert, ohne dabei an Interaktivität einzubüßen.

Themen wie Composable Plattformen und KI bewogen die Usergroups 2021

contentmanager.de: Welche Themen waren denn für die Teilnehmer in diesem Jahr besonders relevant? Vielleicht auch angetrieben von der Pandemie.

Ulrich Weiß: Die zentralen Themen variierten natürlich zwischen den drei Usergroups. Hinzu kamen dann noch übergreifende Aspekte in der Expertenrunde. Innerhalb der OpenText Web Solutions Usergroup stand vor allem der neue Software-Release im Fokus. Aber auch Projektvorstellungen wie etwa der Relaunch des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit seinen 900 Web-Auftritten.

Dirk Langenheim: In der E-Spirit Usergroup wurde sich intensiv über die Übernahme von Crownpeak ausgetauscht. Aber auch über technische Aspekte zur Integration von Drittsystemen. Innerhalb der CELUM Usergroup stand dagegen die Entwicklung des Unternehmens und dessen Einordnung sowie der kritische Dialog mit dem Hersteller im Mittelpunkt. Über die Usergroup-spezifischen Themen hinaus spielte natürlich die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf Anwender und Hersteller eine übergeordnete Rolle. Etwa die Frage, wie sich Anwender und Hersteller in puncto Digitalisierung künftig ausrichten sollten. Genauso waren Trends im Development und Content Marketing relevante Themen. Frank Mühlenbeck ging beispielsweise bezüglich Content Marketing in den Dialog und sprach über die Nutzung von KI und die Evaluation von Softwareprodukten.

contentmanager.de: Welche Entwicklungen sind denn gerade in Bezug auf das Content Management besonders wichtig für Anwender und Softwarehersteller?

Dirk Langenheim: Im Wesentlichen vollzieht sich der Wandel von einer Content Management Suite bzw. Best-of-Breed-Lösung hin zum Composable Plattform-Ansatz. Die Austauschbarkeit einzelner Komponenten gibt eine neue Richtung an und ist enorm wichtig, um künftige Herausforderungen im Content Management zu bewältigen. Und auch Künstliche Intelligenz hält immer mehr Einzug ins Content Management. Der einstige Hype ist in der Praxis angekommen.

Ulrich Weiß: Künstliche Intelligenz unterstützt Redakteure heute etwa bei der automatischen Teaser-Generierung und ist auch beim KIT schon lange im Einsatz. Usergroups berichten ebenfalls über gute Erfahrungen mit KI. Darüber hinaus bleiben die Themen Headless und kanalübergreifendes Content Management von zentraler Bedeutung.

Ausblick auf die webXpert 2022

contentmanager.de: Sie sagten bereits, dass Sie positive Rückmeldung zum digitalen Format der webXpert erhalten haben. Wie planen Sie die Veranstaltung für 2022? 

Dirk Langenheim: Nachdem wir nun die Erfahrung gemacht haben, dass die webXpert virtuell funktioniert, planen wir 2022 mit einer hybriden Veranstaltung. Ob die webXpert dann tatsächlich hybrid stattfinden wird, können wir final aber noch nicht sagen. Wir müssen auch weiterhin mit pandemiebedingten Änderungen rechnen.

Ulrich Weiß: Unser Ziel ist es, mit einem hybriden Event alle Teilnehmer zu bedienen. Viele wollen im Rahmen der Möglichkeiten wieder reisen und in den persönlichen Austausch treten. Das ist nur verständlich und bietet auch noch einmal ein ganz anderes Beisammensein. Uns ist es wichtig, das, sofern möglich, umzusetzen.

contentmanager.de: Zum Abschluss: Wie würden Sie die webXpert in einem Satz beschreiben?

Dirk Langenheim: Ohne Marketing-Geschwätz, praxisbezogen, ehrlich und echt.

Mehr Informationen zur webXpert Conference finden Sie auf der Website.

Über den Interviewpartner

Dirk Langenheim Vorstandsvorsitzender webXpert

Quelle: Dirk Langenheim

Dirk Langenheim ist ein starker Befürworter und Förderer der Communities in der deutschsprachigen Digital-Branche. Seit 2003 ist er im Vorstand der OpenText Web Solutions Usergroup aktiv, seit 2016 Mitgründer und Vorstandmitglied der der e-Spirit Usergroup und er hat auch die Celum Usergroup mitgegründet. Gemeinsam mit langjährigen Wegbegleitern hat er 2017 die webXpert ins Leben gerufen. In seinem echten Leben ist der am Niederrhein verwurzelte Unternehmer als Dienstleister in der Branche unterwegs. Seit 2020 ist er Managing Partner des digitalen Full-Service Dienstleisters open4business aus Friedrichshafen, nachdem er in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat.

Über den Interviewpartner

Ulrich Weiß Vorstandsvorsitzender webXpert

Quelle: Ulrich Weiß/ KIT

Uli Weiß leitet die Abteilung „Anwendungen, Middleware und IT-Architektur“ am IT-Servicezentrum des Karlsruher Instituts für Technologie. Sein Team betreibt u.a. das zentrale CMS am KIT für über 900 Websites mit Unterstützung AI-basierter Tools sowie der Integration vieler bestehender IT-Systeme. Er selbst ist seit 2005 im Vorstand der OpenText Web Solutions Usergroup und kümmert sich schwerpunktmäßig dabei um Workshops und Wissenstransfer.

Bildquellen

  • Dirk-Langenheim: Dirk Langenheim
  • uli-weiss: Ulrich Weiß/ KIT
  • pexels-matheus-bertelli-3321791: Pexels
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