Sustainable E-Commerce – Nachhaltigkeit weiter gedacht für den kleineren Fußabdruck


Ob wir die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Klimaziele erreichen werden, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit nachhaltiger konsumiert wird – immerhin sind private Haushalte für einen Großteil der globalen Emissionen verantwortlich. Dieser Artikel beleuchtet wie Software die Unternehmen bei der Einbeziehung ihrer Kund:innen in ihre Nachhaltigkeits-Aktivitäten unterstützt.

Die Rolle der IT für die Nachhaltigkeit – Energiemonster oder Innovationstreiber?

Ist die Software-Industrie Teil der Lösung oder Teil des Problems, wenn es um die Erreichung der im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Klimaziele geht? Die öffentliche Wahrnehmung schwankt derzeit, so scheint es, irgendwo dazwischen.

Tatsächlich kommt der IT eine zentrale Rolle auf dem Weg zur Dekarbonisierung zu: Denn aufgrund der massiven vorliegenden Datenmenge kann (und muss) sie es schaffen, die Emissionen entlang der gesamtem Wertschöpfungsketten transparent zu machen. Dann sind Unternehmen in der Lage, diese zu verwalten und schließlich zu reduzieren. Zumal Nachhaltigkeit im ursprünglichen Sinn als ein Ressourcen-Verteilungsproblem angesehen werden kann, dessen Lösung die Industrie über die letzten Jahrzehnte in vielerlei Hinsicht perfektioniert hat.

Auf der anderen Seite ist die IT-Branche auch für einen massiven Energiebedarf verantwortlich, der wiederum mit erheblichen Emissionen einhergeht: Eine Studie von Podder, Burden, Singh & Maruca aus dem Jahr 2020 prognostiziert, dass Informations- und Kommunikationstechnologien bis 2040 zu 14 Prozent des globalen CO2eq-Fußabdrucks beitragen werden.

Daher ist es umso essenzieller, dass sich Software-Anbieter dieser Verantwortung stellen und ambitionierte Nachhaltigkeits-Ziele implementieren und erfolgreich umsetzen. Angesichts der großen derzeitigen Aufmerksamkeit bedarf es hier einer besonders sorgfältigen Prüfung, um reines Marketing von tatsächlichem Vermögen abzugrenzen – wissenschaftsbasierte Standards wie die der „Science Based Targets Initiative (SBTi)“ können an der Stelle objektiv Aufschluss geben.

SAP verfolgt als erstes deutsches Unternehmen bereits seit 2017 wissenschafts-basierte Klimaziele im Rahmen von SBTi, wird als eines der ersten Unternehmen in 2023 CO2- und 2030 klima-neutral sein und tritt so als nachhaltiger Lieferant auf.

Wenn die IT ihre Hausaufgaben gemacht hat, also nachweislich als nachhaltiger Lieferant auftritt, hat sie das Potential als „Enabler“ einen riesig großen Hebel für die Dekarbonisierung der Wirtschaft zu betätigen.

Wer an die Kund:innen denkt, stärkt „top line“ und „green line“ zugleich

Genau diese Dekarbonisierung wird aber nicht ohne Berücksichtigung der Verbraucher:innen funktionieren. Immerhin sind 72 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionenlaut einer Studie auf den Konsum privater Haushalte zurückzuführen (Quelle: G. Edgar, Hertwich, G.P. Peters, Carbon footprint of nations: a global, trade-linked analysis, 2009)

Zwar ist das Thema „Nachhaltigkeit“ mittlerweile im Mainstream der Wirtschaft angelangt – unter anderem auch, da der Druck seitens Gesetzgeber, Mitarbeiter:innen, Investor:innen und Kund:innen stetig wächst. Tatsächlich nehmen sich viele Unternehmen den Forderungen an, was sich beispielsweise durch die die steigende Anzahl der Rolle des Chief Sustainability Officers (CSO) zeigt. Die Zahl von CSO-Stellen ist von 2021 bis 2022 so sehr gewachsen wie in den letzten acht Jahren zusammen.

Doch viele Unternehmen beziehen ihre Kund:innen derzeit noch kaum oder gar nicht in ihre Nachhaltigkeits-Aktivitäten mit ein. Dabei ist genau dies eine Grundlage, um Nachhaltigkeit ganzheitlich, auch unter Einbeziehung von nachgelagerten Prozess-Schritte, zu forcieren.

So können Unternehmen dann auch zweierlei erreichen: Zum einen ökonomisch profitabler werden und Umsatz steigern, also ihre „top line“ stärken, zum anderen ihrer ökologischen Verantwortung gerecht werden und so direkt auf die so genannte „green line“ einspielen. Denn die Schaffung von Transparenz über die Nachhaltigkeit im Front End hilft, die Marke zu stärken und für mehr Loyalität zu sorgen, während gleichermaßen ein nachhaltiger Konsum gefördert wird. Die software-gestützte Forcierung dieses Ansatzes hilft, diese Prozesse effizienter zu gestalten. Durch den Fokus auf „Green CX“ unterstützt SAP Unternehmen hier, den Fokus auf Nachhaltigkeit in den Customer Experience-Prozessen zu stärken.

Aber was bedeutet das ganz konkret? Fallbeispiele lassen sich exemplarisch an einem nachhaltigen E-Commerce Szenario aufzeigen.

Sustainable E-Commerce – so lässt sich nachhaltig digital shoppen

Intensiviert durch die Pandemie, als Online-Stores eine Alternative zu vielfach geschlossenen Geschäften darstellten, hat das Shopping über digitale Kanäle einen Aufwind erfahren, der sich manifestieren wird. Konsument:innen schätzen den Komfort, sich 24/7 per Knopfdruck Produkte bestellen und bis vor die Haustür liefern lassen zu können – sei aus dem Online-Shop, per App oder neuerdings auch über das Metaverse.

Nicht zu vernachlässigen sind allerdings negative Auswirkungen in puncto Nachhaltigkeit. Unternehmen, die auf den Vertrieb über digitale Kanäle setzen, sollten Implikationen ihres Geschäftsmodells auf ESG (Environmental, Social, Governance)-Kriterien berücksichtigen. Geeignete Maßnahmen helfen, um die Angebote so nachhaltig wie möglich zu gestalten und zugleich die Marke stärken zu können.

Passgenaue Nachhaltigkeits-Kommunikation

Was versteht der Markt unter nachhaltigen Produkten oder Services? Wie ist die Einstellung einzelner Kund:innen? Was sind die Erwartungen an Unternehmen?

Trotz zunehmender digitaler Touchpoints, stellen Kund:innen für viele Firmen häufig nach wie vor eine Black Box dar. Zwar ist klar, dass immer mehr Menschen deutlich bewusster konsumieren. Doch unterscheidet sich die Resonanz auf nachhaltige Angebote von Person zu Person. Während es für bereits bewusste Konsument:innen im Wesentlichen darum geht, dass sie schnell und einfach die jeweilig nachhaltigste Option finden können, sollten noch Zweifelnde vor allem für die Bedeutung von nachhaltigem Konsum sensibilisiert werden. Wenn eine solche Kommunikation zielgruppengerecht stattfindet, hat sie das Potential, nachhaltigen Konsum zu fördern.

Kanalübergreifende ESG-Transparenz

Nachhaltigkeit ist ein extrem breites Feld – ebenso ist nachhaltiger Konsum alles andere als trivial. Indikatoren wie der ökologische Fußabdruck können Konsumten:innen helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Aber in Zeiten von geringen Fertigungstiefen und komplexen, globalen Lieferketten stehen Unternehmen oftmals vor der Herausforderung, an die notwendigen Daten zur Berechnung solcher Indikatoren zu gelangen. Ein hoher Digitalisierungsgrad schafft hier Abhilfe („You can’t manage what you don’t measure“). Die nahtlose Verknüpfung von Back-Office mit dem Front-Office hilft zudem, die Kommunikation auf vertrauenswürdige Daten zu basieren, um Greenwashing-Vorwürfe und Social Media Shitstorms zu vermeiden.

Nachhaltige Lieferungen

Ein Großteil der aus dem Online-Shop verursachten Emissionen fallen auf die Lieferung zurück. Diese lassen sich aber auf vielfältige Weise minimieren, beispielsweise durch nachhaltigere Verpackungen, Optimierung von Logistik und Transportwegen oder die Vermeidung von Retouren. Unternehmen können über Loyalty-Programme oder gezielte Visualisierungen Anreize schaffen, um Konsument:innen zu sensibilisieren und die jeweils nachhaltigere Option zu fördern. Einige Unternehmen setzen bereits auf intelligente virtuelle Body-Scan Lösungen, um Retouren zu vermeiden und somit sowohl Emissionen als auch Kosten zu sparen.

Re-Commerce

Re-Commerce bezieht sich auf die Wiederverwendung von Produkten und Materialien, also ein Marktplatz für gebrauchte Produkte, um diese nach Nutzung in einen Kreislauf zu überführen. Entsprechend bietet der Ansatz einen enormen Hebel für Unternehmen, auf der einen Seite die Produktlebenszeit zu verlängern und somit Emissionen zu reduzieren und auf der anderen Seite zusätzliche Umsatzpotentiale zu generieren. Die passende Software unterstützt bei der nahtlosen Verknüpfung von Back-End (z.B. Finance und Supply Chain) mit den jeweiligen Front-End-Applikationen, sodass Unternehmen sicherstellen können, dass Qualitätsanforderungen erfüllt werden und die Marke von einer verbesserten Reputation unter dem Nachhaltigkeits-Gedanken profitieren kann.

Über die Autorinnen

Quelle: SAP

Yurdanur Marangoz-Yesilirmak leitet das SAP Customer Experience Presales Team in Deutschland mit Schwerpunkt auf Commerce. Seit 2012 unterstützt Sie das CX Team sowohl für Commerce als auch Marketing-Kunden und fokussiert sich auf den deutschen und osteuropäischen Markt. Sie hat langjährige Erfahrung im CX und Commerce Umfeld und betreute schon viele internationale Großkunden. Vor ihrer Zeit bei SAP arbeitete Sie bei Adobe. Ihre Erfahrung aus 11 Jahren Adobe gaben ihr ebenso viele Insights zum Thema Customer Experience, wo Sie als Senior Presales Consultant, Systems Engineer, Solution Sales, Junior Projektmanager tätig war und an vielen Projekten erfolgreich gearbeitet hat.

Seit Anfang 2021 produziert Sie als Co-Moderatorin das „CX Café Podcast – Customer Experience auf den Punkt gebracht“ mit vielen interessanten Gästen.

Quelle: SAP


Iris Konrad is an SAP Solution Advisor for Customer Experience with a focus on Marketing, Customer Data, and Sustainability. Having gained knowledge in various roles in industry and science, she holistically analyzes customers’ business and pain points and provides value advisory to effectively improve customer engagements and sustainable ecosystems.

Quellen:

Bildquellen

  • YurdanurYesilirmak: SAP
  • Iris Konrad: SAP
  • Green CX_Planet B: Unsplash, Markus Spiske
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