Künstliche Intelligenz ist im Marketing mittlerweile fester Bestandteil kreativer Prozesse. Das zeigt auch der neue „State of Marketing & AI Report 2026“ von Canva. Die zentrale Erkenntnis: Unternehmen produzieren mit KI schneller Inhalte denn je – doch gleichzeitig wächst die Skepsis der Verbraucher:innen. Inhalte wirken austauschbar, generisch oder emotional leer. Wann und wie KI-generierte Inhalte funktionieren, wie KI aktuell im Marketing genutzt wird und weitere Erkenntnisse des Reports haben wir Dir im Artikel zusammengetragen.
KI ist längst Alltag im Marketing
Die Zahlen aus dem Canva Report sind eindeutig:
- 97 Prozent der Marketingverantwortlichen nutzen KI inzwischen täglich in der kreativen Arbeit
- 99 Prozent planen höhere KI-Investitionen für 2026
- 89 Prozent berichten von deutlichen Zeitersparnissen
- 68 Prozent sagen, dass KI inzwischen mehr geschäftliche Entscheidungen beeinflusst
Damit endet laut Canva die Phase des „Ausprobierens“. KI wird nicht mehr als zusätzliches Tool im Stack betrachtet, sondern als integraler Bestandteil moderner Marketing-Workflows.
Besonders spannend: Viele Marketing-Leader beschreiben KI mittlerweile wie ein Teammitglied. Das zeigt, wie stark sich Rollenbilder im Marketing verändern. Kreative Teams entwickeln sich zunehmend von ausführenden Produzent:innen zu strategischen Steuernden. Die eigentliche Erstellung von Variationen, Assets oder ersten Entwürfen übernimmt immer häufiger die KI.
Geschwindigkeit wird zum Standard
Einer der wichtigsten Begriffe im Report lautet „Creative Velocity“. Gemeint ist die Fähigkeit, Inhalte extrem schnell zu erstellen, anzupassen, zu lokalisieren und auszuspielen. Darin liegt aktuell auch die größte Stärke von KI-Systemen. Kampagnen entstehen schneller, A/B-Tests werden einfacher und internationale Anpassungen kosten deutlich weniger Ressourcen.
Für Unternehmen klingt das zunächst ideal. Doch Canva macht klar: Geschwindigkeit allein wird künftig kein Wettbewerbsvorteil mehr sein. Denn wenn jede Marke theoretisch unbegrenzt Content produzieren kann, entsteht mit der Austauschbarkeit ein neues Problem. Nicht die Produktion selbst wird dann zum Differenzierungsmerkmal, sondern kreative Richtung, Geschmack und Markenverständnis.
Verbraucher:innen spüren, wenn etwas „fehlt“
Besonders interessant sind für Marketingverantwortliche wohl die Ergebnisse der Verbraucherbefragung. Denn trotz Skepsis lehnen Konsument:innen KI nicht grundsätzlich ab. Viele akzeptieren KI-generierte Werbung durchaus, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.
68 Prozent sagen laut Studie, dass sie KI in Werbung akzeptieren, wenn die Inhalte dadurch relevanter oder hilfreicher werden. Gleichzeitig bevorzugen aber 78 Prozent weiterhin von Menschen erstellte Werbung. 87 Prozent glauben sogar, dass gute Werbung immer menschliche Kreativität benötigt.
Noch deutlicher wird ein anderer Wert: 70 Prozent der Befragten sagen, dass KI-generierte Werbung „irgendwie leer“ wirkt oder dass „etwas fehlt“.
Das ist auch eine der wichtigsten Aussagen des gesamten Reports. Verbraucher:innen bewerten Inhalte offenbar weniger danach, wie sie produziert wurden. Entscheidend ist vielmehr, wie sie sich anfühlen. Emotionale Wirkung, kulturelle Relevanz und menschliche Nuancen bleiben damit zentrale Erfolgsfaktoren im Marketing.
„AI Slop“ wird zum echten Problem
Canva spricht im Report außerdem sehr offen über ein Phänomen, das aktuell viele Plattformen beschäftigt: „AI Slop“.
Gemeint sind massenhaft generierte Inhalte ohne kreative Substanz. Hochglanz-Visuals, generische Claims und austauschbare Werbebotschaften überschwemmen bereits heute Social Media, Suchmaschinen und Content-Plattformen. Laut Canva sehen bereits 41 Prozent der Marketing-Leader darin ein reales Problem.
Diese Entwicklung lässt sich inzwischen auch außerhalb des Reports beobachten. Diskussionen auf Reddit zeigen, dass vor allem viele Designer:innen KI-Elemente in Canva und auf anderen Plattformen kritisch sehen. Besonders häufig genannt werden fehlende Kennzeichnungen, generische Bildstile und sinkende kreative Qualität. Die Debatte erinnert stark an frühere Diskussionen rund um Stockfotos. Nur skaliert KI das Problem heute deutlich schneller.
Vertrauen wird zur wichtigsten Marketing-Währung
Der vielleicht wichtigste Teil des Reports beschäftigt sich deshalb mit Vertrauen. Viele Verbraucher:innen wünschen sich klarere Regeln für KI-generierte Werbung:
- 74 Prozent würden sich wohler fühlen, wenn Unternehmen klare KI-Richtlinien kommunizieren
- 80 Prozent wünschen sich mehr Kontrolle über personalisierte Werbung
- 52 Prozent fordern Transparenz beim Einsatz von KI
- 37 Prozent möchten KI-generierte Werbung komplett deaktivieren können
Besonders relevant ist dabei der Wunsch nach Transparenz. Nutzer:innen akzeptieren KI offenbar eher, wenn Marken offen mit ihrem Einsatz umgehen. Unternehmen, die transparent mit KI umgehen, haben also einen Wettbewerbsvorteil. Sie müssen zum Beispiel erklären können:
- Wo KI eingesetzt wird
- Welche Daten genutzt werden
- Welche Inhalte menschlich geprüft werden
- Wie kreative Qualität sichergestellt wird
Gerade in Europa dürfte das durch den EU AI Act zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
Warum menschliche Kreativität wichtiger wird
Interessanterweise zeigt der Canva Report nicht, dass Kreative überflüssig werden. Eher das Gegenteil.
Drei Viertel der befragten Marketing-Leader erwarten sogar, dass kreative Rollen in den nächsten fünf Jahren wichtiger werden. Allerdings verändert sich ihre Aufgabe.
Gefragt sind künftig stärker:
- kreative Richtung
- strategisches Denken
- kulturelles Verständnis
- emotionale Intelligenz
- kreative Bewertungskompetenz
KI wird also weiterhin zur Produktion von Inhalten genutzt, doch ohne Menschen, die ihnen Bedeutung verleihen, funktionieren sie nicht.
Was Unternehmen aus dem Canva AI Report lernen sollten
Der Canva Report zeigt sehr klar, wohin sich Marketing entwickelt. KI wird zum Standard. Die reine Nutzung von KI wird deshalb kein Wettbewerbsvorteil mehr sein. Der Unterschied entsteht künftig an anderer Stelle:
Unternehmen müssen lernen, KI effizient einzusetzen, ohne dabei ihre kreative Identität zu verlieren.
Das bedeutet konkret:
- KI sollte repetitive Aufgaben beschleunigen
- Marken müssen trotzdem klare kreative Leitlinien entwickeln
- Qualitätssicherung wird wichtiger
- Transparenz schafft Vertrauen
- Menschliche Perspektiven bleiben unverzichtbar
Gerade im Content Marketing wird das entscheidend. Denn je mehr KI-generierter Content online erscheint, desto stärker gewinnen Originalität, Haltung und echte Perspektiven an Bedeutung. Die Technologie wird alltäglich. Genau deshalb werden menschliche Kreativität und Vertrauen zum eigentlichen Differenzierungsmerkmal.
Bildquellen
- Canva AI Report_ChatGPT: ChatGPT
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