Der Headless-CMS-Ansatz und seine 9 Herausforderungen

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Sie schätzen die Flexibilität von Headless. Daher setzen Sie ein reines Headless-CMS ein, welches Sie von den vermeintlichen Einschränkungen eines traditionellen CMSs befreit. Der Heilige Gral des Content Managements: Inhalte und Ansicht sind sauber getrennt, die Inhalte losgelöst von ihrer Präsentation, und überhaupt ist alles einfach, schön und sowieso besser, denn Headless ist neu, neu ist gut, und noch neuer ist noch besser.

So genießen Sie ihre Freiheit in vollen Zügen. Ihre Webseite für Gourmet-Lebensmittel kommt mit der Leichtigkeit der Nouvelle Cuisine daher, begeistert von digitalen Nomaden der Gig-Ökonomie in den Kaffeehäusern dieser Welt zusammengestückelt. Denn jetzt wo alles mit Frameworks wie Angular oder React gemacht werden kann, und strukturierte Inhalte schnell an existierende Endpunkte und Inhalte in beliebigem Format via Inhalts-API ausgeliefert werden, ist es einfach, mobile- oder webbasierte Apps, Fernsehen oder In-Flight Entertainment auszurollen. Die Zukunft kann kommen!

Die Skalierung mit einem Headless CMS: 9 Herausforderungen

Zugegeben, das klingt gut. Langsam jedoch werden Sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ist die Headless-Herangehensweise an das Thema Content Management vielleicht doch etwas kopflos? Klar, der Einstieg ist einfach: Inhaltstypen definieren, Inhalte anlegen, und den Frontend-Hipstern freien Lauf geben. Schon hat man eine coole App oder eine interaktive Website. Wenn das alles ist, was sie brauchen, dann perfekt!

Ist es aber nicht. Was dann passiert: Sie entwickeln, debuggen und pflegen die Funktionalität eines CMS selber, während Ihr Unternehmen wächst und die Anforderungen an ein CMS schneller steigen, als ihre Umsätze.

Headless ist tatsächlich gut, wenn es um Design, Kreativität und Agilität geht, denn die Frontend-Entwickler brauchen sich nicht mit Backend-Entwicklern zu koordinieren oder sich in komplexe Funktionalitäten eines traditionellen CMSs einarbeiten. Schwieriger wird es, wenn Prozesse skaliert und nachhaltig gemacht werden sollen. Eine kleine Übersicht über mögliche Herausforderungen folgt.

1. Das Verwalten von Assets

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, und Ihre Webseite nutzt das vollumfänglich aus: Bilder vom Menü, von Zutaten, leckeren Gerichten und Gourmet-Restaurants, sowie Videos von Starköchen und Rezeptanleitungen. Es geht nicht nur darum, diese Bilder und Videos zu speichern und zum richtigen Zeitpunkt zu verwenden, Sie müssen die verschiedenen Versionen dieser digitalen Assets auch zum richtigen Zeitpunkt einsetzen: “Hier habe ich ein Hi-Res Foto einer Paprikaschote, wo ist meine Lo-Res-Version?” oder “Aha, da ist das Undercover-Video des Restauranttesters, oh, nein, das ist nur der Kurz-Teaser.” Vielleicht wollen Sie auch gerne wissen, welches Asset wo genutzt wird.

2. Die Struktur planen

Klar, ein Verzeichnis an Rezepten, Artikeln oder Jobangeboten ist zunächst mal losgelöst von einer Seitenstruktur flexibler nutzbar. Doch wie schnell braucht es Navigationselemente, und sei es nur für die Klassiker wie das Impressum, Rechtliche Hinweise oder einen Abschnitt für das Medienkit.

Oder Sie wollen eine Reihe von Regionalveranstaltungen publizieren und benötigen Vanity-URLs mit den Stichworten “Kochmarathon” oder “sterneküche-leicht-gemacht.” Wollen Sie das wirklich per Hand coden und mappen?

Solche Strukturen sind dann am besten im CMS zu verwalten. So können Sie einfacher die Konsistenz der Kundenerfahrung sicherstellen, und das ist wichtig, denn wenn ich vom Laptop auf mein Mobiltelefon wechsle, will ich nicht eine andere Struktur oder anders benannte Menüpunkte vorfinden, sondern ohne Medienbruch weiterarbeiten können.

3. Zugangskontrollen und Sicherheitsebenen definieren

In vielen Fällen darf nicht jeder alles sehen, es braucht sowohl auf dem Backend, bei der Erstellung der Inhalte, als auch auf dem Frontend – beim Ausspielen respektive Konsumieren der Inhalte – verschiedenen Ebenen und gestaffelte Zugriffsrechte. Mit einem Enterprise CMS kein Problem.

4. Einen logischen Workflow erstellen

Sie verwalten Blogger, Vlogger, freiberufliche Autoren und Ihre Nutzer erstellen eigene Inhalte. Dürfen diese Gruppen einfach ‘losschreiben’ oder müssen Sie auf die Tonalität achten?

Beispielsweise sollten Sie verhindern, dass Ihr Blogger eine negative Bewertung zu einem Ihrer Restaurant-Sponsoren schreibt. Haben Sie in Ihrem System eine “Melden, Akzeptieren, Veröffentlichen” Struktur?

5. Verschiedene Versionen überblicken

Mit dem Wachstum Ihrer Inhalte stellen Sie fest, dass es nicht nur darum geht Artikel zu erstellen, sondern ständig zu aktualisieren und die Übersicht zu verschiedenen Autoren und Publikationskanälen zu behalten. Die Planung und Nachverfolgung von Kampagnen und Teasern, das Verwalten verschiedener Versionen: das ist bei einem Headless CMS zunächst mal nicht vorhanden.

6. Übersetzungen verwalten

Unternehmen, die international mit lokalen Niederlassungen operieren, wissen wie wichtig es ist, Übersetzungen zu kontrollieren. Sie benötigen Management-Tools für das Überwachen von Übersetzungen und Inhalte müssen richtig ausgeliefert werden. Kann Ihr CMS das? Kann es auch externe Tools und Prozesse einfach integrieren? Und wo findet das Sign-Off statt – im Drittsystem? Auf dem Frontend? Oder doch lieber im Kontext der Inhalte auf dem Backend eines Enterprise CMS Systems?

7. Kategorisieren und Verschlagworten

Kleider machen Leute, und Inhalte machen eine Website. Inhalte müssen effizient verwaltet, kategorisiert und getaggt werden. Tags sind auch für das Tracking, Testen und Messen wichtig. Wo passiert das? Wie wird es verwaltet? Und wie behalten sie die Übersicht?

8. Personalisierung

Ihre Nutzer erwarten personalisierte Inhalte. Sind Sie darauf vorbereitet, Ihre gesamte Personalisierungs-Engine inklusive Traits, Variants usw selber zu entwickeln? Und da hört es leider nicht auf. Früher oder später wollen Sie sicher auch Ihr CRM, die Marketing Automation und Analytics-Tools einbinden.

9. Die Autoren-Experience gestalten

Inhalte in einem Headless CMS zu schreiben, ist wie mit einer Black Box zu arbeiten. Autoren schreiben Inhalte, das System wählt Datensets aus und stellt sie in verschieden Formaten und Zusammenhängen dar.

Die Zeiten der originalgetreuen Darstellung der Druckausgabe am Bildschirm sind vorbei. Es gibt kein Editor-Interface, kein Preview dafür, wie die Seiten auf verschieden Kanälen aussehen. Headless ermöglicht das superschnelle Publizieren von Inhalten, aber es fehlt die Möglichkeit, Inhalte im Kontext zu sehen und Building Blocks zusammenzufügen.

Headless kann sinnvoll sein

Auch wenn ich nur 9 Herausforderungen genannt habe, mit einem Headless-Ansatz zu wachsen, so gibt es in Wirklichkeit sicher dutzende Weitere.

Wenn Sie ein reines Headless CMS wählen, ist es oft so, dass Sie am Ende doch wieder die Funktionalitäten aufbauen müssen, die Sie anfangs zugunsten von Schnelligkeit und Agilität verworfen haben. Es ist nicht unmöglich diese Funktionen selber zu entwickeln und mit anderen Tools zu integrieren. Ich habe Projekte gesehen, wo genannte Punkte erfolgreich in einem Headless-Szenario angegangen wurden. Im Grunde ist das Resultat aber kein Headless CMS mehr, sondern ein selbstentwickeltes CMS mit einem Headless-Kern.

Headless funktioniert gut für bestimmte Anwendungen, ist aber keine Lösung für das gesamte Geschäfts-Ökosystem. Machen Sie sich daher vorher klar, was sie brauchen und ob die funktionalen Einschränkungen heutiger Headless CMSs für Sie eine Rolle spielen oder nicht.

Flexibilität und Erweiterbarkeit sind die Gewinner

Viele Wege führen nach Rom. Nutzten Sie was für Sie am ehesten Sinn macht mit den Tools, die Sie besitzen. Stellen Sie nur sicher, dass Sie genug Flexibilität und Erweiterungsmöglichkeiten haben, um Bausteine nach Bedarf auswechseln und skalieren zu können. Headless CMS kann dabei ein wichtiger Baustein sein, aber mit Köpfchen kommt man weiter. Ein “Enterprise Headless” CMS, welches die Vorteile von Headless mit sich bringt, und bei dem zusätzlich der Funktionsumfang eines Enterprise CMS zur Verfügung steht, lässt Sie die Vorteile von Headless nutzen, und trotzdem entspannt in die Zukunft schauen.

 

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Bildquellen

Boris Kraft

Boris Kraft

Boris Kraft ist seit über 30 Jahren in der Softwareindustrie tätig. Er ist Mitbegründer und Chief Visionary Officer von Magnolia International. Magnolia ist eine Plattform für das digitale Geschäftswesen, mit Content Management als Kernfunktionalität.

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