Google Bard: Das kann der KI-Chatbot von Google


Google Bard: Neues Sprachmodell aus dem Hause Google

Generative Modelle wie ChatGPT haben eine regelrechte Welle der KI-Entwicklung ausgelöst. Fast täglich liest man von neuen Anbietern, die sich mit den Big-Playern des Markts messen wollen. Vor kurzem hat der Suchmaschinenriese Google seinen auf künstlicher Intelligenz basierenden Chatbot Google Bard gelauncht. Doch was genau verbirgt sich hinter dem neuen KI-System? Und kann es Google Bard tatsächlich mit dem derzeitigen Marktführer ChatGPT aufnehmen? Wir haben uns Google Bard einmal genauer angeschaut.

Künstliche Intelligenz ist wohl das Nummer-Eins-Thema der Digitalbranche. Den Startschuss setzte die Firma OpenAI Ende November 2022 mit ihrem KI-Chatbot ChatGPT. Wenig später zogen bekannte Unternehmen nach und brachten ebenfalls KI-Modelle auf den Markt. So auch der Software-Entwickler Microsoft, der vor kurzem eine neue Version der Suchmaschine Bing ankündigte. Bing AI heißt die neue Entwicklung und erweitert die Funktionen einer Suchmaschine um eine künstliche Intelligenz. Eine direkte Kampfansage von Microsoft an Google.

Laut Statista hält Google aktuell auf dem Markt der Suchmaschinen einen Marktanteil von rund 85 %. Doch neuere Suchmaschinen, die künstliche Intelligenz mit in ihre Suche einbeziehen, könnten Google diesen Rang nun streitig machen. Kein Wunder also, dass Suchmaschinenriese Google ein Modell entwickelt hat, das ChatGPT und Co. in nichts nachstehen soll. Mit seinem KI-Sprachmodell „Google Bard“ schickt das Tochterunternehmen von Alphabet Inc. einen neuen Kandidaten in den Wettkampf um die beste künstliche Intelligenz.

Das ist Google Bard

Definition Google Bard

Google Bard ist ein Sprachmodell, welches das Forschungsteam von Google entwickelt hat. Google Bard vereint wie sein Konkurrent ChatGPT die Technologie eines Chatbots mit einem generativen Modell. Mittels künstlicher Intelligenz ist das System dazu in der Lage, kreative Inhalte zu generieren und nahezu menschliche Konversationen mit seinen Nutzer:innen zu führen. Die Basis für das System bildet die von Google entwickelte KI LaMDA, die bereits vor zwei Jahren von Google vorgestellt wurde.

Kleiner Funfact am Rande: Der Name „Bard“ soll eine Anspielung auf die Antike sein. In dieser hieß der Begriff so viel wie „Dichter“ oder „Geschichtenerzähler“. Der Name spielt damit also indirekt auf Funktion des KI-Systems an.

Funktionsweise von Google Bard

Google Bard ist im Grunde ähnlich zu einer Suchmaschine. Auch hier werden in ein Dialogfeld Suchanfragen, Aufforderungen oder dergleichen eingegeben. Das Sprachmodell generiert daraufhin verschiedene Antworten, die für die Nutzer:innen infrage kommen könnten. Das System lässt seinen Nutzer:innen somit die Wahl, für welches Ergebnis sie sich entscheiden möchten. Mit seinen Antworten liefert Google Bard außerdem dazugehörige Quellennachweise, damit Nutzer:innen besser nachvollziehen können, woher die Antworten stammen. Es gilt allerdings auch hier die Quellen kritisch zu überprüfen, die Bard seinen Nutzer:innen präsentiert.

Grundlage für Bard ist das Large Language Model LaMDA von Google. Es basiert auf sogenannten „Transformern“, die eine Architektur von neuronalen Netzwerken verwenden, für sein neues Sprachmodell eine abgespeckte Version von LaMDA. Das soll unter anderem wertvolle Rechenleistung sparen, die sonst für das System nötig wäre. Aktuell können Nutzer:innen nur auf Englisch mit Google Bard kommunizieren. Das System soll jedoch mit weiteren leistungsfähigeren Modellen sowie auch unterschiedlichen Sprachen ergänzt werden.

Wer kann Google Bard nutzen?

Der CEO von Alphabet, Sundar Pichai stellte die Innovation im Februar 2023 erstmals der Öffentlichkeit vor. Seit Veröffentlichung steht Google Bard einer ausgewählten Gruppe von Nutzer:innen zu Testzwecken zur Verfügung. Der KI-Chatbot ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Nutzer:innen können sich lediglich auf eine Warteliste eintragen, die von Google am 21. März 2023 veröffentlicht wurde. Die Beta-Version von Google Bard ist nur für Nutzer:innen in Großbritannien und den USA verfügbar. In Deutschland ist das System bisher noch gar nicht verfügbar.

Schlägt Google Bard den KI-Chatbot ChatGPT?
Kann es Google Bard wirklich mit dem Marktführer aufnehmen?

Ein ernstzunehmender Konkurrent für ChatGPT?

Google Bard wird als neues Konkurrenzprodukt für ChatGPT gehandelt. Aber wird es diesem Anspruch auch gerecht? Im direkten Vergleich lassen sich ein paar Vorteile bei Bard gegenüber dem Marktführer erkennen. Google Bard kann beispielsweise im Gegensatz zu ChatGPT auf das Internet zugreifen. ChatGPTs Datensatz reicht hingegen nur bis September 2021 zurück. Somit kann Google Bard deutlich aktuellere und qualitativ hochwertigere Ergebnisse liefern. Die Gefahr von veralteten Quellen besteht bei Google Bard somit nicht. Doch auch für dieses Problem gibt es bereits bei ChatGPT eine Lösung. Wer seinen Browser mit der Browserextension WebchatGPT versieht, kann ChatGPT um eine Internetsuche erweitern. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema ChatGPT Extensions findest du hier.

Anders als sein Konkurrent ChatGPT soll Bard außerdem dazu in der Lage sein, Antworten direkt auszugeben. Bei ChatGPT schaut man dem Chatbot quasi dabei zu, wie es den Text Wort für Wort generiert. Google Bard ist deshalb wesentlich schneller in seinen Antworten als ChatGPT.

Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen

Der Hype um KI-Systeme nimmt kein Ende. Und genau von diesem Hype wollte auch Google profitieren. Allerdings zeigten sich bei der ersten Präsentation des KI-Chatbots einige Schwächen, der das Unternehmen gleich mehrere Milliarden Dollar gekostet haben soll. Google Bard antwortete auf die Frage, was man einem neunjährigen Mädchen über das James Webb Space Telescope erzählen könnte, damit, dass es das erste Foto eines Exoplaneten aufgenommen hätte. Die Antwort von Bard war allerdings falsch. Das erste Foto wurde bereits 2004 mit dem Very Large Telescope in Chile aufgenommen. Ein Fauxpas, der den Aktienkurs von Google gleich um mehrere Prozent einbrechen ließ.

Der Launch von Google Bard kam für viele Menschen überraschend – auch für die eigenen Mitarbeiter:innen von Google. Denn diese äußerten kurz vor der Veröffentlichung massive Bedenken. Als „notorischen Lügner“ bezeichnete einer der Google Mitarbeiter:innen das Sprachmodell. Ein/eine andere Mitarbeiter:In sprach sogar davon, den Launch des Produktes vollständig zu verschieben, da Bard nutzlos sei. Google Bard war schlicht und ergreifend noch nicht reif für die Öffentlichkeit. Doch Google veröffentlichte das System entgegen aller Kritiker:innen. Das lag sicherlich auch daran, dass Google sich im Zugzwang sah. Denn der Wettbewerb für Google auf dem Markt nimmt kontinuierlich weiter zu. Um seine Position zu sichern, musste Google also schnell handeln – und bekam für diese übereilte Entscheidung prompt die Quittung.

Google Bard und die Frage nach der Ethik

Mit dem Aufleben der KI-Systeme ist auch eine wichtige Frage in den Vordergrund gerückt: die Frage nach der Ethik. Zu den wichtigsten ethischen Bedenken gehören folgende Aspekte:

Der Mensch programmiert die Maschine

Systeme wie Google Bard und ChatGPT werden mit Inhalten trainiert, die in der Regel vom Menschen stammen. Das Problem dabei ist allerdings, dass sich in den Inhalten Vorurteile oder Stereotypen verbergen können. Ob bewusst oder unbewusst – der Maschine werden bestimmte Werte antrainiert, die denen der Entwickler:innen entsprechen. Die reproduzierten Texte der KI-Systeme könnten also teils ethisch fragwürdige Grundlagen aufweisen. Natürlich kann es auch der Fall sein, dass ein Fehler in der Programmierung des Algorithmus vorliegt oder unvollständige Datensätze für das Training der Künstlichen Intelligenz verwendet wurden. So könnte ein Entwicklerteam beispielsweise bei der Programmierung ihrer Systeme Merkmale vergessen, die in ihrer eigenen Gruppe nicht vorkommen. Und genau darin liegt die Gefahr: Die unvollständigen oder fehlerhaften Datensätze der Entwickler:innen verstärken Problematiken wie Diskriminierung und Stigmatisierung bestimmter Gruppen noch mehr. KI-Systeme wie Google Bard sind deswegen nie ohne Vorurteile. Deswegen ist bei künstlicher Intelligenz auch immer ein kritischer Blick seitens des Menschen gefragt. Denn nur weil ein KI-System etwas sagt, heißt das noch lange nicht, dass es auch der Wahrheit entspricht.

Wie viel Privatsphäre haben wir noch?

KI-Systeme wie Google Bard sammeln vor allem eines: eine Menge Daten. Nutzer:innen geben täglich die unterschiedlichsten Informationen von sich preis, wenn sie Chatbots wie ChatGPt und Co. verwenden. Doch was genau passiert mit diesen Daten? Eine eindeutige Antwort gibt es bisher nicht auf die Frage. KI-Systeme entwickeln sich auf Grundlage der Daten, sie erhalten, ständig weiter. Je mehr Daten eine KI bekommt, desto größer ist allerdings auch die Gefahr, dass diese missbraucht werden. Unternehmen könnten sensible Daten an Dritte weiterverkaufen oder diese für weitere Forschungszwecke einsetzen. Besondere Vorsicht ist deshalb geboten, wenn Unternehmen KI-Systeme im Arbeitskontext einsetzen wollen. Hier gilt es, die Datenschutzvorgaben genau zu beachten. In Europa ist der Umgang mit sensiblen Daten beispielsweise durch die DSGVO geregelt. Unklar sieht es hingegen bei der Rechtsgrundlage von für KI-Entwicklung aus. Deswegen arbeitet das Bundesministerium aktuell an einer einheitlichen Regulierung für KI-Entwicklung, die über die Themen des Datenschutzes hinausgeht und ebenso Aspekte wie Diskriminierung, und Quellennachweise abdeckt.

Urheberrecht und künstliche Intelligenz

Google Bard und ChatGPT wurden dazu entwickelt, um Texte zu generieren. Nutzt man nun die von den KI-Systemen generierten Texte, stellt sich unweigerlich die Frage: Wer ist eigentlich der Urheber der Inhalte? Dabei gilt es zunächst einmal zwischen dem Input und dem Output der KI zu unterscheiden. Während des Trainings der künstlichen Intelligenz stellt sich bereits die Frage, woher die Informationen kommen. Der Output, den die KI aus ihren antrainierten Datensätzen generiert, wirft wiederum die Frage auf, wem diese Antworten gehören. Zwar ist der Output der KI meist von Nutzer:in zu Nutzer:in individuell und basiert teilweise auf vorangegangenen Anfragen, dennoch müssen sicher Nutzer:innen damit auseinandersetzen, ob mit den Texten eventuell Urheberrechtsverletzungen entstehen.

Wer übernimmt die Verantwortung?

KI-Systeme können bei der Entscheidungsfindung helfen. Sie besitzen allerdings keine Werte wie Moral oder Ethik. Sie fällen Entscheidungen auf Basis von zugrundeliegenden Datensätzen und Algorithmen. Das erschwert im Ernstfall natürlich die Frage der Schuldzuweisung, wenn eine KI eine fehlerhafte Entscheidung trifft. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in autonomen Fahrzeugen. Wenn das autonome Fahrzeug fährt und nun einen Unfall baut, wer trägt dann die Verantwortung? Sind es die Entwickler:innen, die das System fehlerhaft programmiert haben? Ist es die Person, die sich hinter dem Steuer befand? Oder kann sogar eine KI selbst dafür verantwortlich gemacht werden, in der Situation falsch gehandelt zu haben? Menschen müssen sich bei KI-Systemen die Frage stellen, ob sie ihre Verantwortung einfach abgeben können. Denn letztlich stammen die Maschinen immer noch aus der Hand des Menschen. Und somit ist es fragwürdig, ob eine künstliche Intelligenz überhaupt schuldig sein kann, wenn sie als Grundlage für Ihre Entscheidungen die Daten der Menschen nutzt.

Fazit

Google Bard hat aktuell noch mit „Kinderkrankheiten“ zu kämpfen. Das System ist im Gegensatz zu ChatGPT weniger ausgereift und weist noch einige Macken auf. Dennoch sind die Ergebnisse von Bard in gleichem Maße beeindruckend wie die von ChatGPT. Dass es allerdings einen kometenhaften Aufstieg wie OpenAIs Sprachmodell ChatGPT hinlegen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Das System hat dafür noch zu große Schwierigkeiten und hat – zumindest was die öffentliche Meinung betrifft – schon deutlich einbüßen müssen. Bard wird sich mit der Zeit – wie auch andere KI-Systeme – entwickeln und anfangen zu lernen. Das Feedback der Nutzer:innen kann dabei helfen, das Sprachmodell weiter zu optimieren. Und das ist auch notwendig, wenn man bedenkt, welche Lücken KI-Systeme aktuell noch in Bezug auf ethische Grundsätze aufweisen. Fest steht aber schon jetzt: Google Bard wird seinen Platz in der Welt der KI-Systeme finden, wenn auch vielleicht nicht als Marktführer.

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