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Die zehn besten Intranets des Jahres 2007
Deutsche Übersetzung vom
Institut für Software-Ergonomie und Usability, Zürich.
Der Aufstieg der Usability in der Industrie Normalerweise haben wir mehrere Gewinner aus der Finanzdienstleistungsbranche, dieses Jahr ist es nur einer: JPMorgan Chase. Verglichen mit den Vorjahren sind diesmal deutlich mehr Industrieunternehmen unter den Top-10. Breit gefasst, sind es vier: AEP, DaimlerChrysler, Dow und Volvo. Letztes Jahr haben wir festgestellt, dass sich "Industrieunternehmen seit jeher auf physische Aspekte konzentrieren und deshalb weniger Erfahrung damit haben, gute bildschirmgestützte Designs zu schaffen." Natürlich ist Industrieproduktion in der modernen Welt in hohem Mass mit Computern verwoben, weil sie ein hochgradig wissensintensives Geschäft ist. Wir wollen hoffen, dass die starke Rolle von Industrieunternehmen unter den Gewinnern des Jahres ein Zeichen dafür ist, dass dieser wichtige Sektor den Wert der Usability erkannt hat, und dass das früher meist schlechte Erscheinungsbild von Intranets in der Industrie wirklich der Vergangenheit angehört. Zwar sind die meisten Gewinner Grossunternehmen, aber wir haben auch zwei Gewinner aus dem gemeinnützigen Sektor: die National Geographic Society und die Königliche Gesellschaft für Vogelschutz. Das zeigt, man muss keine große Organisation oder traditionelle Firma sein, um von Intranet-Usability zu profitieren. Gut gestaltete Intranets unterstützen Mitarbeiter und Ehrenamtliche bei ihren gemeinnützigen Aufgaben genau so gut, wie sie in gewinnorientierten Unternehmen die Produktivität – und damit die Rentabilität – verbessern. Multimedia, Nachrichten und Bewertungen Ein Trend aus dem letzten Jahr war dieses Jahr noch deutlicher: Intranets werden multimedial. Am einfacheren Ende der Skala sind es Fotos des Tages, die viele Startseiten zieren oder schöne Vogelfotos, die im RSPB-Intranet viele Spitzenmeldungen illustrieren. Am oberen Ende des Multimedia-Spektrums verbreiten sich Videos – oft für Trainingszwecke, doch auch für die Vorstandskommunikation. AEP hat ein eigenes TV-Studio für Intranet-Produktionen und bietet sowohl Streaming-Videos als auch Live-Webcasts an. Die National Geographic hat Webcam-Feeds, bei denen die meisten Organisationen vor Neid erblassen würden; einer davon zeigt Grizzlybären in Alaska. Viele Intranets bieten schon lange News-Feeds an, aber die Gewinner dieses Jahres haben besondere Maßnahmen ergriffen, um ihr Nachrichtenangebot für die Mitarbeiter relevanter zu machen, sowohl bei internen Nachrichten als auch bei branchenbezogenen externen Nachrichten. Auszeichnung und Kategorisierung werden extensiver als früher gehandhabt, und etliche Intranets lassen die Benutzer die Meldungen bewerten und kommentieren. Bewertungen und Benutzerkommentare gibt es auf öffentlichen Websites schon lange – von Amazon bis hin zu Weblogs – aber in Intranets werden sie noch viel nützlicher, weil sie dort nicht durch den "Bozo (Dummkopf)-Effekt" entwertet werden. Die Mitarbeiter des Unternehmens haben gemeinsame Ziele und Interessen, sie haben bei der Einstellung den gleichen Qualitätsfilter durchlaufen und einen guten Ruf zu verlieren. Aus diesen Gründen sind Bewertungen und Kommentare von Kollegen mit großer Wahrscheinlichkeit viel konstruktiver als die von zufälligen Blog-Lesern. Zusätzlich zu den Nachrichten im Intranet bietet Microsoft ihren Mitarbeitern eine Reihe von E-Mail-Newslettern an und die Möglichkeit, Meldungen über einen Newsfeed (RSS) zu abonnieren. E-Mail-Newsletter sind ein einfacher Weg, um über das Intranet hinauszugreifen und die Mitarbeiter über ihre mobilen Geräte mit Nachrichten zu versorgen. Das funktioniert allerdings nur, weil hier die Nachrichten für mobile Empfangsgeräte formatiert werden, was sonst selten vorkommt. AEP verwendet keinen automatischen Feed für externe Nachrichten. Stattdessen sichtet ein Redakteur die verfügbaren Meldungen und bringt nur diejenigen in Umlauf, die den meisten Mitarbeitern von Nutzen sein könnten. Eine Zusatzarbeit, die sich durch den Gewinn an Mitarbeiterproduktivität auszahlt, da sie den Mitarbeitern eine lange Liste irrelevanter Nachrichten erspart. Bei JPMorgan Chase zum Beispiel wird die Intranet-Startseite 620.000 Mal pro Tag abgerufen; wenn dort schon das Überfliegen einer einzigen überflüssige Überschrift jeweils eine Sekunde Zeit braucht, würde das das Unternehmen das Äquivalent von 22 Vollzeitmitarbeitern an verlorener Produktivität kosten. Das Intranet-Team von JPMorgan Chase ist ähnlich selektiv und platziert nur die allerwichtigsten Nachrichten auf der Startseite. Natürlich muss man in manchen Fällen auch Nachrichten liefern, die nicht besonders viel mit der Arbeit zu tun haben. DaimlerChrysler zum Beispiel hat während der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland stets die neuesten Spielergebnisse angezeigt. Wenn sie das nicht getan hätten, hätten die Mitarbeiter sicher viel mehr Zeit damit verbracht, die Spiele auf externen Websites zu verfolgen. [...]
02/2007, Jakob Nielsen
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