Darf´s vielleicht auch Freeware sein?

Autor: Dr. Ulrich Kampffmeyer
Eingetragen seit: 10/2001
Letzter Beitrag: 06/2010
Beiträge insgesamt: 59
Expertenprofil   Alle Experten   

DruckversionAls E-Mail versendenZum Magazin-Forum



Zahlreiche DMS-, CMS- und ILM-Produkte buhlen um die Gunst der Käufer. Nur selten wird in Erwägung gezogen, sich in diesem Umfeld einmal nach OpenSource- und FreeWare-Produkten umzusehen. Die Argumentation der zögerlichen Anwender lautet hier meistens, Weiterentwicklung, Professionalität und Rechte seien nicht ausreichend gewahrt. Dies hindert aber OpenSource Produkte nicht daran, sich immer weiter auszubreiten. Entscheidend ist letztlich, wie groß die Community ist, die sich eines OpenSource-Produktes annimmt. Im WCM Web-Content-Management-Umfeld ist mit Typo3 jedoch bereits eine hochqualitative Alternative entstanden, die auch in Rechenzentren von Großunternehmen einzuziehen beginnt. Inzwischen ist die Zahl der FreeWare-WCM-Produkte noch um einiges gewachsen. Wie sieht es jedoch im Umfeld von Lösungen aus, die auch für sehr große und verteilte Anwendungen geeignet sind und sich nicht nur mit WCM beschäftigen ? Hier wären z.B. Lösungen wie Fedora oder dSpace zu nennen.

Das Fedora Projekt

Nehmen wir als Beispiel einmal Fedora. Nein - Fedora bezieht sich hier nicht auf die OpenSource-Linux-Version im Zusammenhang mit RedHat (es ist vor kurzem das Release Fedora Core 2 erschienen und die Fedora-Gruppe ist mit RedHat zusammengeführt worden), sondern auf das gleichnamige CMS-Repository-System - wir sprechen vom Fedora-Project . Fedora steht hier als Akronym für federated digital object respository architecture. Fedora ist ein Repository System, das Elemente von Content Management, Electronic Publishing, Digital Library Management, Records Management, Digital Asset Management, Dokumentenmanagement und Archivierung vereinigt. Wesentliche Eigenschaften sind das erweiterbare Object Model, die Unterstützung von Standards wie Dublin Core, der durchgängige Einsatz von XML, die Verteilbarkeit der Objekte und die damit verbundene äußerst flexible Skalierbarkeit, Versionsmanagement, Unterstützung des OAI-PMH, Web-Interface und eine breite API. Fedora ist OpenSource-Software und wird unter der Mozilla Public License lizensiert. Hauptzielgruppe von Fedora sind derzeit Bibliotheken, jedoch wird der Einsatz für Verlage und Archive immer interessanter.

Die Entwicklung begann bereits 1997 an der Cornell-Universität und wurde von mehreren Organisationen gefördert. Die erste Version kam 1999 in der Digital Library der Universität von Virginia zum Einsatz. Seit dem Jahr 2002 ist Fedora OpenSource. Nicht zuletzt Stiftungsgelder von der Mellon Foundation ermöglichten die Umsetzung in ein distributionsfähiges Produkt. Fedora besitzt als Kern einen sehr konsequenten Objekt-Ansatz: die Informationsobjekte besitzen eine persistenten, eineindeutigen Unique Identifier (PID), Metadaten für die Steuerung der Nutzung, systeminterne Metadaten und beliebige Inhaltskomponenten. Zur Verwaltung des Inhalts werden kombiniert XML-Repositories und relationale Datenbanken verwendet. Für den Content können verschiedene Speichersubsysteme verwendet werden. Fedora selbst in zu 100% in Java (Sun Java J2SDK1.4) programmiert und unterstützt mit seiner Web-API über http- und Soap-Bindings die meisten gängigen Portalplattformen. Ablauffähig ist Fedora unter Microsoft Windows 2000, NT und XP sowie unter Solaris und Linux. Die meisten Anwender sind zur Zeit Universitäten in den USA. Das internationale Interesse wächst jedoch.

Ist OpenSouce auch das geeignetere Konzept für die Langzeitarchivierung?

Fedora ist nur ein Beispiel für eine freie Software. Besonders im Umfeld der Langzeitarchivierung (Preservation) sind weitere Projekte unterwegs. Spricht man mit Initiatoren aus dem Umfeld solcher Projekte, dann wird als Grund häufig genannt "die Anbieter von kommerziellen Archivsystemprodukten kümmern sich nicht um die speziellen Anforderungen der echten Langzeitarchivierung, die denken nur in kurzfristigen Produktverkäufen, also müssen wir es halt selbst machen". Gerade beim Thema Langzeitarchivierung über Jahrzehnte und Jahrhunderte ist OpenSource, getragen von einer Community gemeinschaftlicher Interessen, häufig eine Alternative zu Standardprodukten der derzeitigen Anbieter. Also noch einmal zurück an die Kaufmannstheke: darf`s vielleicht auch Freeware sein?


Quelle: Ausgabe 20040817 des PROJECT CONSULT Newsletters, ISSN 1439-0809.

10/2004, Dr. Ulrich Kampffmeyer





Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).
Alle Experten   
Publizieren Sie Ihren eigenen Fachbeitrag   

Mehr Informationen zu Project Consult


Kommentare zu diesem Beitrag 


Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nichts und bleiben Sie informiert mit unserem Newsletter.
Ihre E-Mail Adresse:  
RSS-Feed: Alle News aktuellUnsere News auf Ihrer Website

Weitere Beiträge zu diesem Thema

TYPO3-Live: CMS direkt von CD-ROM testen und kennenlernen
Das Content Management System TYPO3 erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die vielfältigen Erweiterungen haben dieses CMS zu einem sehr mächtigen Werkzeug für die Pflege des Internet-Auftritts oder der Kommunikationsplattform im Intranet gemacht...
Zum Dritten: Die Contentmanager.days 2004 als der deutsche Content Management Event
Mit einem stark erweiterten Programm und einem interessanten Ausstellerbereich repräsentierten die Contentmanager.days wieder einmal State-of-the-Art Content Management und viele aktuelle Praxisbeipspiele...
Richtig geschrieben ist schon halb gefunden
Wer kennt das nicht: Der Besucher einer Website oder eines Intranets sucht mit einem Stichwort nach einem bereits gelesenen Artikel, weiß genau, dass das Wort im gesuchten Text vorkommt, und findet trotzdem nichts...
MySQL - Der Datenspeicher für Ihre Internetseiten
Die Einrichtung einer Datenbank ist mit Sicherheit nicht nach ein paar Schritten erledigt, außer natürlich, alle wichtigen Überlegungen wurden vorher angestellt und das Layout der Datenbank geplant...
.NET - Konzepte, Vor- und Nachteile
Mit .NET wird eine Systemplattform geschaffen, mit der alles anders wird, als es bisher war. Kommerzielle Gründe spielen für Microsoft sicherlich auch eine Rolle, einen Umbruch herbeizuführen...

Beiträge aus anderen Themenbereichen

VOICE Days plus: Deutschlands Servicewelt im Fokus
Im Interview spricht der Schirmherr der Initiative Prof. Dieter Spath über "Das Konstruktionsbüro für Dienstleistungen" und vieles mehr. Am 12. Oktober eröffnet Prof. Dieter Spath den VOICE Days plus Kongress...
Lösungsmöglichkeiten zum Konflikt der E-Mail-Archivierung mit Fernmeldegeheimnis und Datenschutz
Die Gestattung der privaten Nutzung der betriebseigenen IT-Infrastruktur durch die Mitarbeiter bringt nicht zu unterschätzende rechtliche Komplikationen mit sich – gerade was auch die Archivierung von E-Mails anbelangt...
eCommerce & Datenschutz - Das sollten Sie wissen
Datenschutz spielt auch im eCommerce eine große Rolle. So müssen z.B. für den Betrieb eines Onlineshops die gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz eingehalten werden...

High Heels & Nylons
Das Content Management PortalDas Dokumenten Management PortalDas IT-Security PortalDas Customer Relationship Management PortalDas E-Commerce PortalDas Enterprise Resource Planning PortalPortal für VoIP und mobile KommunikationDas Magazin für IT im KrankenhausDas Verzeichnis für IT-Profis
homeimpressumerklärung zum datenschutz - privacy policykontaktwerbung

know how

news

veranstaltungen

Schnellsuche