Web Analytics Teil 2: Inhalte und Benutzerverhalten

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Während im ersten Teil der Web-Analytics-Artikelreihe der Bereich Nutzungsdaten und Technik betrachtet wurde, dreht sich dieser Teil um die Auswertungsmöglichkeiten im Bereich:
Inhalte und Benutzerverhalten
Auswertungen zu Inhalten und Benutzerverhalten antworten auf
Fragestellungen folgender Art:
- Welche Inhalte sind für die Besucher attraktiv oder weisen ein hohes Cross-Selling-Potenzial auf?
- Wie verhält sich ein Besucher auf der Website?
- Welche Wege wählt der typische Besucher, bis er zur gewünschten Information findet?
- Wo und warum brechen Benutzer einen angefangenen Bestellprozess ab?
- Wo klicken die meisten Benutzer hin?
- Welche Bilder, Buttons und Layouts bevorzugen sie?
Seiten und Inhaltsgruppen
Natürlich zählt die Anzahl der Aufrufe einer bestimmten Seite oder die Liste
der Top-Seiten einer Website zum Standard-Repertoire eines Analytics
Tools. Der reine Vergleich von Seitenaufrufen ist aber wenig
aussagekräftig: Die Homepage hat naturgemäss mehr Seitenaufrufe als
eine Subseite, und je weiter unten in einem Navigationsbaum eine Seite
aufgehängt ist, desto seltener kommen typischerweise auch Besucher auf
die Seite. Eine informativere Aussage über die Qualität einer Seite
erlauben daher Auswertungen darüber, wie oft eine Seite eine Einstiegs- oder
eine Ausstiegsseite war.
Ebenfalls aussagekräftig sind sogenannte
Single Access Pages oder Bounce-Rates, das heisst Einstiegsseiten, die
den Besucher veranlasst haben, die Site direkt wieder zu verlassen.
Single Access Pages sind wichtige Ansatzpunkte, um eine Site zu
optimieren, da das Angebot der Seite offensichtlich nicht dem Bedürfnis
des Besuchers entspricht.

Bounce Rates von Seiten zeigen dass z.B. über 80% der
Besucher die Site verlassen, wenn sie auf einen 404-Fehler treffen
Ebenfalls aussagekräftiger als reine Page View Zahlen sind deren
Veränderungen im Vergleich zwischen zwei Zeitabschnitten. Eine
gesunkene Nutzung der gleichen Seite im Vergleich zu einer Vorperiode
(zum Beispiel gleicher Monat im Vorjahr) lässt die Interpretation zu, dass
der Inhalt nicht mehr so aktuell ist und eine Überarbeitung notwendig
wäre. Die steigende Nutzung einer Inhaltsseite lässt hingegen Trends in
den Bedürfnissen der Besucher erkennen. Dadurch kann vielleicht das
Angebot der Website frühzeitig diesem Trend entgegenkommen oder
angepasst werden.
Während die Analyse auf Seitenebene für sehr spezifische
Fragenstellungen nützlich ist, benötigt es für die übergreifende
Betrachtung einer ganzen Website eine zusätzliche Abstraktionsebene.
Dabei werden verschiedene Seiten zu Gruppen zusammengefasst und
anschliessend die Performance der Gruppen miteinander verglichen.
Weist man so beispielsweise alle Seiten einer Telecom-Website, die sich
mit Mobilfunk befassen, einer Content-Gruppe "Mobil" zu, so kann man
die Nutzung von Mobilfunk-Inhalten mit jener von Festnetz-Inhalten
vergleichen.

Bildung einer Content-Gruppe "Mobil" mit verschiedenen
Seiten einer Website
Sinnvoll eingesetzt erlauben Content Gruppen, schnell zu erkennen, für
welche Themen sich Besucher interessieren und welche Themen eine
hohe Affinität zueinander haben.

Auswertung über die Nutzung innerhalb Content-Gruppen
Detailansicht
Im Idealfall lassen sich Content-Gruppen im Analytics System
hierarchisch gliedern, so dass ein Drilldown innerhalb einer Content-
Gruppe eine weitere Analyse erlaubt (z.B. einzelne Mobilprodukte
innerhalb der Content-Gruppe "Mobil").
Besucherfluss
Eine der Hauptfragen, welche Web Analytics beantworten soll, ist, wie gut
die einzelnen Seiten einer Website ihren Zweck erfüllen. Um sich zuerst
über den Zweck einer Seite klar zu werden, empfiehlt es sich, sämtlichen
Seiten Aufgaben zuzuordnen. Die Aufgaben von Seiten können dabei
folgendermassen lauten:
Informer-Seiten: Seiten vom Typ "Informer" bezwecken, das
Informationsbedürfnis eines Besuchers zu erfüllen. Informer-Seiten sind
die klassischen Produktbeschreibung- oder Know-how-Seiten und
machen meist den Grossteil einer Unternehmenswebsite aus.
Router-Seiten: Seiten vom Typ "Router" sind meist Übersichtsseiten,
welche Inhalte aus darunter liegenden Navigationslevels aggregieren und
präsentieren. Der Zweck einer solchen Seite ist es, Besucher auf
detaillierte Informationen in der Tiefe der Site weiterzuleiten (sogenanntes
"Routing").
Teaser-Seiten: Teaser haben den Zweck, Besucher, welche über
bestimmte Drittquellen (zum Beispiel Suchmaschinen,
Bannerkampagnen) auf die Site gelangen, schnell anzusprechen und zu
behalten. Landingpages für Kampagnen oder Suchmaschinen-
Optimierungen sind der typische Vertreter dieser Seitenklasse.
Closer-Seiten: Closer-Seiten haben das Ziel, nicht nur zu informieren,
sondern Besucher von einer bestimmten Lösung oder einem Produkt zu
überzeugen und ihn zum abschliessenden Schritt (z.B. Bestellung,
Kontaktaufnahme) zu bringen. Es handelt sich bei dem Seitentyp um
klassische Verkaufsseiten.
Neben den genannten lassen sich Seiten natürlich noch in weitere
Seitentypen gliedern (z.B. Engager-, Reassurer-, Converter-Seiten etc.),
welche jedoch für aktuelle Betrachtungen weniger relevant sind.
Betrachtet man den Zweck einer Seite unter diesem Aspekt, wird klar
dass der Aufruf einer Seite allein keine Aussage über ihren Erfolg erlaubt.
Erst wenn auch die Vorgänger- und Folgeseiten (oder aus Makro-Sicht
der Besucherfluss) in die Analyse miteinbezogen werden, lässt sich eine
Erfolgsaussage treffen: Router-Seiten, welche die letzte Seite eines
Besuchs darstellen, erfüllen ihren Zweck nicht. Genauso sind Closer-
Seiten einzustufen, bei welchen nur ein geringer Prozentsatz der
Besucher nachher einen Bestellprozess oder Kontaktformular aufruft.
Mit
der detaillierten Analyse von Traffic-Herkunft und -Abgang einer
bestimmten Seite kann man den Erfolg einer Seite schnell bewerten.
In aggregierter Form lassen Besucherflüsse auch Rückschlüsse über
häufig genutzte Pfade auf einer Website zu. Dadurch lässt sich erkennen,
ob ein bei der Websitekonzeption gedachter Pfad – zum Beispiel von
einer Teaser-Seite über eine Informer-Seite zur Converter-Seite – auch
effektiv erfolgreich ist.

Häufig genutzte Pfade (Seitenabfolgen) einer Website
Detailansicht
Besucher, welche zum wiederholten Male auf einer Website sind und
deren Strukturen kennen, schlagen typischerweise einen direkteren Weg
zu einer gesuchten Information oder Produkt ein. Erlaubt ein Analytics-
Tool die Unterscheidung von Pfaden von Erstbesuchern und
Wiederbesuchern, so kann überprüft werden, ob die Website auch dieser
Zielgruppe gerecht wird.
Um herauszufinden, wie mit Websiteanpassungen ein Besucherfluss
gesteuert werden soll, ist es hilfreich, wenn das Analytics-Tool eine
Rückwärtsbetrachtung des Benutzerflusses erlaubt. Verfolgt eine Website
zum Beispiel das Ziel, dass möglichst häufig das Kontaktformular
ausgefüllt und abgesendet werden soll, lohnt sich die Betrachtung der
häufigsten Seitenpfade bis hin zum Kontaktformular. Stellt sich der Pfad
als besonders erfolgreich heraus, kann dieser durch
Websitemodifikationen entsprechend hervorgehoben werden.
Je nach
Fähigkeit des Analytics-Tools lassen sich auch komplexere Pfad-
Szenarien herausfiltern, wie beispielsweise Pfade, die noch an
Zwischenseiten vorbei führen.

Formular-Prozessanalyse, Site-Search Analyse und Klickanalyse

Formular-Prozessanalyse
Eine spezielle Form eines Besucherflusses stellen sequentielle
Formularabfolgen dar, wie sie zum Beispiel in Bestell- oder
Anmeldeprozessen häufig vorkommen. Diese sind von besonderer
Bedeutung, weil die Komplettierung eines solchen Prozesses für eine
Website meist eine zentrale Erfolgsgrösse darstellt (z.B. Anzahl
Registrierungen, Anzahl Bestellungen, Anzahl gelöster Supportfälle).
Abbrüche während des Durchschreitens eines solchen Prozesses sind
daher besonders ärgerlich, weil sich Besucher schon zu einem Abschluss
entschieden haben, aber vielleicht durch Hindernisse oder Unklarheiten
im Bestellprozess am Abschluss gehindert wurden.

Beispiel eines Bestellprozesses über fünf Formular-Schritte
Web Analytics Tools verfügen deshalb für das Tracking von solchen
geschäftskritischen Formularprozessen über spezielle
Auswertungsfunktionen. Das zentrale Element heisst dabei "Funnel-
Analyse". Wie der Name Funnel (Trichter) bereits aussagt, basiert die
Analyse darauf, dass eine grössere Besucher-Anzahl einen Prozess
beginnt, und lediglich eine kleinere Menge Besucher – dem Bild eines
Trichters entsprechend – den Prozess abschliesst.

Funnel-Auswertung mit Drop-Offs über fünf Schritte eines
Bestellprozesses
Derartige Prozess-Analysen zeigen übersichtlich auf, bei welchen
Formularschritten Besucher den Prozess abbrechen. Ein relativ grosser
Drop-Off bei Beginn des Funnel-Prozesses ist dabei typisch. Abrupte
Drop-Off-Fälle bei einem bestimmten Prozess-Schritt oder hohe
Ausstiegsraten kurz vor Prozess-Ende weisen auf grössere Hindernisse in
einzelnen Formularschritten hin.
Eine nähere Analyse solcher Abbruchschritte erlaubt zu erkennen, wohin
sich Besucher nach dem Abbruch hinbegeben haben – zumindest wenn
es sich um interne Seiten handelt. Erfolgt ein Ausstieg häufig nach dem
Konsultieren einer AGB-Seite, lässt dies den Rückschluss zu, dass der
Besteller mit den AGBs nicht einverstanden war.
Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte "Form Abandonnement"-
Analysen. Diese erlauben sogar zu identifizieren, bei welchem
Formularfeld der Benutzer die Eingabe abgebrochen hat. Stoppt der
Benutzer zum Beispiel bei der Eingabe der E-Mail-Adresse den Prozess,
kann dies daran liegen, dass er diese Information nicht preisgeben will. Ist
ein Dropdown-Feld für die Auswahl einer Zahlungsmöglichkeit ein
häufiger Abbruchgrund, findet der Besucher seine gewünschte
Zahlungsart womöglich nicht vor.

Auszeichnung von jenen Feldern, bei welchen Benutzer
das Ausfüllen des Formulars abbrachen. Detailansicht
Site-Search Analyse
Website-Besucher nutzen nicht nur die Navigation, um mit Browsen zu
einer gewünschten Information zu gelangen, sondern sehr oft auch die
Suchfunktion auf der Website (Site-Search). Obwohl Site-Searches von
Website-Betreibern gerne ausser Acht gelassen werden, benutzen bis zu
50% der Besucher genau dieses Instrument – und verlassen die Website
bei einem Misserfolg wieder. Eine Analyse und Optimierung einer Site-
Search kann daher stark zum Website-Erfolg beitragen.
Interessante Analyse-Informationen sind die Anzahl der Suchanfragen
und Keywords, welche zu keinem Resultat führten oder nach deren
Anfrage der Besucher die Website verlässt. Dies kann als eindeutiges
Indiz gewertet werden, dass die Website und Suche den Bedürfnissen
des Benutzers nicht entsprachen.
Weitere nützliche Indikatoren sind die
Anzahl betrachteter Resultatseiten, Anzahl wiederholter Suchen sowie die
Anzahl betrachteter Inhaltsseiten nach einer Suchanfrage. Die
Auswertung der Konversionsraten von jenen Besuchern, welche die Site-
Search verwendet haben, kann zusätzlich zielführend sein.
Eine der interessantesten Informationen bei der Search Analyse sind die
vom Benutzer eingegebenen Keywords. Darin lässt sich einfach und in
der Kundensprache erkennen, was der Besucher möchte. Mit einer
Analyse kann so erkannt werden, dass zum Beispiel die Bezeichnung von
Produkten oder Begriffen unternehmensintern anders erfolgt als dies die
Mehrheit der Besucher tut. Entsprechende Anpassungen verbessern
dann nicht nur die Site-Search selbst, sondern generell Inhalte auf der
Website. In einem weiteren Schritt kann dank Analyse der
Searchkeywords sogar erkannt werden, ob Benutzer nach Produkten und
Dienstleistungen suchen, welche vielleicht gar noch nicht im Angebot
sind. Die Restaurantkette McDonald’s zum Beispiel führte gesündere
Menüs deshalb ein, weil genügend Leute an der Ladentheke danach
fragten. Genau solche Informationen liefert auch eine Keywordanalyse.
Klickanalyse
Um auf Detailfragen bei einer Besucherfluss-Analyse einzugehen, wird oft
eine Klickanalyse notwendig. Gilt es beispielsweise zu erörtern, welcher
Teaser innerhalb einer Seite am meisten angeklickt wird, oder ob ein
Text-Link oder eine Bildverlinkung zielführender ist, reicht eine
Betrachtung auf Seitenebene nicht mehr aus. Klickanalysen helfen hier,
Klicks auf Links innerhalb einer Seite auszuwerten und zu vergleichen.
Als Darstellungsform für Klick-Analysen haben sich dabei sogenannte
"Browser-Overlays" bewährt.
Beim Betrachten der Auswertung wird dabei
im Browser die eigene Website aufgerufen. Mittels Browser-Plugin (oder
anderer Technologie) werden anschliessend Klickdaten direkt über die
Website gerendert. Damit wird nicht nur auf einen Blick klar, wohin
Benutzer klicken und wo nicht, sondern Klickpfade lassen sich so auch
direkt durchspielen und erfahren.

Originalseite und Klickauswertung im Browser Overlay
Detailansicht
Weitere Beiträge aus der vierteiligen Artikelreihe:
- Konvertierung und ROI
- A/B-VariantentestsErschienen: 07/2007
Autor: Marco Hassler


|  | Marco Hassler ist Business Unit Manager beim Webdienstleister Namics und ist dort in den Fachbereichen Web Analytics, Content Management Systeme und Information Retrieval tätig.
Namics AG
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