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Usability-Studie: "Klartext"
Interview mit Herrn Christian Bopp von den "argonauten" zur Studie "Klartext"
Egal ob es an der Navigationsführung oder schlicht am Wording liegt - immer noch treten bei der Nutzung von Webangeboten zahlreiche Hindernisse auf. Findet der Nutzer die gewünschten Inhalte und Funktionen der Website nicht, verlässt er das Angebot, um sein Glück beim Wettbewerber zu versuchen. Die Konsequenz für den Betreiber liegt auf der Hand: Er riskiert, potentielle Kunden zu verlieren.
Kriterien für eine nutzergerechte Navigation gibt es bereits viele. Leider werden diese oft nicht (ausreichend) berücksichtigt. Bei den Wordings sieht die Lage leider anders aus. Dort gibt es so gut wie keine wissenschaftliche Grundlage. Wir wollen mit unserer Studie einen Beitrag leisten, die Nutzerperspektive hinsichtlich Navigationswordings besser zu verstehen. In zahlreichen usability labs haben wir festgestellt, dass von Betreiberseite firmenzentrierte Wordings vermieden werden sollten. Aus der Studie wissen wir außerdem, dass insbesondere die weniger erfahrenen Nutzer stärker bei der Wordingentscheidung berücksichtigt werden müssen. Das impliziert eine weitgehende Vermeidung internetspezifischer Ausdrücke. Eher sollte auf Analogien zurückgegriffen werden, die auch aus der Offline-Welt bekannt sind.
Hauptsächlich wird die Präferenz durch Interneterfahrung und Englischkenntnisse bestimmt. Dieses Faktoren wiederum sind mit einer Vielzahl andere soziodemographischer Grössen wie Ausbildung, Alter und Beruf korreliert.
Im Bereich der Navigation ist bereits eine erste Standardisierung zu beobachten. Neue Anbieter kopierten einfach die erfolgreichen Navigationskonzepte der Wettbewerber. Im Bereich der Rubrikenbezeichnungen ist dies nicht so einfach möglich. Durch die Verwendung der Bezeichnungen der Konkurrent kann nicht sichergestellt werden, dass die Begriffe auch wirklich die Besten sind. Daher ist hier meist das subjektive Empfinden der Verantwortlichen ausschlaggebend. Wir versuchen mit der Studie erst objektive Entscheidungshilfen für die Verwendung von Wordings zu geben.
Wahrscheinlich nur schwierig. In jedem Fall gibt es keine Institution, die einheitliche Wordings erzwingen kann. Im Bereich der klassischen Medien hat eine "freiwillige" Vereinheitlichung schon weitgehend stattgefunden. Bei Zeitungen etwa haben sich Rubrikenbezeichnungen wie Politik, Wirtschaft und Feuilleton durchgesetzt. Im Internet sind die Anforderungen wegen der Nicht-Linearität des Mediums aber noch viel höher. Leider ist hier ein Trend zur Standardisierung nur in Grundzügen erkennbar.
Den Ergebnissen der Studie zu Folge, wünschen sich die Nutzer mehr deutschsprachige Begriffe. Das hängt auch damit zusammen, dass das Internet von immer breiteren Bevölkerungskreisen genutzt werden. Heute sind nicht mehr nur die hochgebildeten und computeraffinen Nutzer im Netz. Das bedeutet keine generelle Absage an englische Worte. Einige haben sich bereits soweit durchgesetzt, dass ein deutsches Synonym ehr lächerlich wirken würde. Dazu zählen beispielsweise Newsletter und Chat.
Nein. Wir sehen gerade, dass globale Anbieter wie Microsoft und Amazon stark bemüht sind, englischsprachige Ausdrücke zu vermeiden.
Vorteile gibt es viele: neben der leichteren Orientierung wird es für die Nutzer auch einfacher, die gewünschten Inhalte aufzufinden. Fehler werden dadurch vermieden. Nachteile kann ich nicht erkennen. Wenn aber beispielsweise ein Angebot sich ausschließlich an eine junge, hippe Zielgruppe richtet, wäre die Verwendung von solchen Standardwordings sicherlich nicht die beste Lösung. Die Nutzer würden sich dadurch nicht genügend angesprochen fühlen. In einem solchen Fall empfehlen wir, die Bezeichnungen in individuellen Anwendertests zu überprüfen. 05/2002, Annemike Meyer
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